Kraiburg – Rund ums Kraiburger Heimatmuseum rumort es: Die Vorstände des Kulturkreises machen sich Sorgen, um die Zukunft der Gebäude. Wenn es nach der Gemeinde geht, soll die Arztpraxis nun doch fest in den derzeitigen Räumen bleiben. Erst war das nur als Übergangslösung gedacht.
Kraiburgs Bürgermeisterin Petra Jackl erklärt dazu, dass der Gemeinderat in der nichtöffentlichen Sitzung am 5. Mai beschlossen habe, dass die Praxis im Gebäude bleiben soll. Die Bürgermeisterin solle die dafür notwendigen Planungen einleiten. Das Thema wurde laut Jackl deswegen in der nichtöffentlichen Sitzung behandelt, da es auch um Mietverträge und somit um sensible Daten gegangen sei. In der jüngsten öffentlichen Sitzung gab die Bürgermeisterin dann den Beschluss bekannt.
Gemeinde will die
Arztpraxis nicht verlieren
Die Gemeinde steht einem Verbleib der Arztpraxis positiv gegenüber, da sie die Arztpraxis nicht verlieren wolle und es sich bisher bewährt habe. „Sie ist barrierefrei und Parkplätze sind direkt vor dem Haus. Zugleich wird dadurch das Gebäude belebt. Viele Bürger geben uns die Rückmeldung, dass sie es gut finden, wenn das wunderbare Gebäude wieder mit Leben gefüllt wird“, erklärt Jackl.
Der Kulturkreis, der sich um das Museum kümmert, befürchtet nun, dass für das Museum in Zukunft zu wenig Platz bleibe. In einer Pressemitteilung erklärt der Verein, dass er die „aktuellen Überlegungen, das Heimatmuseum sowie Teile des denkmalgeschützten Salzstadels und des Gerberhauses dauerhaft umzunutzen und dadurch in ihrer bisherigen Form erheblich zu verändern“, mit großer Sorge verfolge.
Geschichte und
Kultur erhalten
Martin Singer und Robert Bauer, die die Pressemitteilung verschickt hatten, betonen, dass der Salzstadel und das Gerberhaus zu den wenigen noch erhaltenen historischen Gebäuden gehören würden, die das „Ortsbild und die Geschichte Kraiburgs prägen“. „Ihr Wert liegt nicht nur in der äußeren Fassade, sondern auch in ihrer ursprünglichen Nutzung, ihrer historischen Struktur und ihrem authentischen Charakter.“ Sie befürchten, dass durch dauerhafte Umbauten für gewerbliche oder praxisbezogene Nutzungen tiefgreifende Eingriffe resultieren und dadurch der Denkmalcharakter „nachhaltig beeinträchtigt“ würde.
Der Kulturkreis betont in Bezug auf den notbedingten Einzug der Arztpraxis im Oktober auch, dass der Verein kurzfristige und pragmatische Lösungen in derartigen Situationen unterstütze – „insbesondere wenn dadurch wichtige medizinische Versorgung erhalten bleibt“. Die Vorstände sagen aber auch: „Dies darf jedoch nicht als Grundlage für eine dauerhafte Veränderung historischer Gebäude dienen, deren eigentliche Aufgabe im Erhalt von Kultur und Geschichte liegt.“
Singer und Bauer fordern daher folgende fünf Punkte: Das Museum soll in angemessener Größe, also auf rund zwei Stockwerken, erhalten bleiben. Die untergebrachte Arztpraxis verwende derzeit eineinhalb von drei Stockwerken. Zudem sollen der Salzstadel und das Gerberhaus vor tiefgreifenden Umbauten geschützt werden. Sie fordern einen respektvollen Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz und transparente Entscheidungen unter Einbeziehung der Öffentlichkeit sowie die Prüfung von alternativen Standorten für die Arztpraxis.
„Verantwortung gegenüber Geschichte und kommenden Generationen bedeutet, historische Gebäude nicht nur äußerlich zu erhalten, sondern ihren Charakter und ihre kulturelle Bedeutung zu bewahren“, betont der Vorstand. „Wir appellieren daher an Gemeinderat, Verwaltung und alle Verantwortlichen, nachhaltige und denkmalverträgliche Lösungen zu finden, die sowohl den Bedürfnissen der Gegenwart als auch dem Schutz unseres kulturellen Erbes gerecht werden“, heißt es.
Bürgermeisterin
Jackl beschwichtigt
Bürgermeisterin Petra Jackl erklärt auf Anfrage, dass sich das Vorhaben noch ganz am Anfang befinde und es zu den eventuellen Umbaumaßnahmen noch gar keine konkreten Planungen gebe. „Wir müssen erst noch die Gespräche mit den betroffenen Behörden abwarten“, betont sie.
Das Museum soll laut Jackl nicht geschlossen, sondern „zukunftsträchtig weitergeführt“ werden. „Die Kosten des Betriebes und des Gebäudeunterhaltes könnten mit dem Verbleib der Praxis größtenteils aufgefangen werden. Die Flächen sollen aufgeteilt werden und der verbleibende Museumsteil neu kuratiert, um zukünftig mehr Besucher anzulocken.“ Nach 30 Jahren müsse sich die Gemeinde ohnehin um eine Sanierung des Gebäudes kümmern. „Da liegt es nahe, sich auch über ein modernes Nutzungskonzept zu unterhalten. Da die Praxis nun schon provisorisch dort untergebracht ist, was spricht dagegen, sie in den Räumen zu behalten?“, so Jackl.
Keine geeigneten Räume
wurden gefunden
Zudem habe der Markt Kraiburg Erfahrung im Umgang mit historischen und ortsbildprägenden Denkmälern. Zuständige Behörden würden ebenfalls einbezogen, erklärt Jackl in Bezug auf die Befürchtungen und Forderungen des Kulturkreises. Letztlich gibt es laut Jackl keine Alternative für die Praxis. Das habe sich schon im Oktober gezeigt. „Eine Einquartierung in der Remise oder der Schule war nicht möglich. Auch haben wir keine geeigneten privaten Räume gefunden. Sie müssen barrierefrei und leicht erreichbar sein“, sagt die Bürgermeisterin. Grundsätzlich müsse sich jedoch die Gemeinde um die ärztliche Versorgung kümmern.
Letztlich habe der Beschluss zur zukünftigen Entwicklung aus rechtlicher Sicht nichtöffentlich behandelt werden müssen, erklärt Jackl.
Darüber sei jedoch der ehemalige Archivar und Museumspfleger Franz Genzinger informiert worden. Mit den Vorständen habe die Bürgermeisterin zudem ausgemacht, dass sie zu Versammlungen eingeladen und dort über die neuesten Entwicklungen zur Zukunft des Heimatmuseums informieren werde.