Neumarkt-St. Veit – Vor 100 Jahren hat sich der Radfahrverein Neumarkt-St. Veit gegründet und ließ Worten bald Taten folgen. Schon unmittelbar nach der Gründung 1926 hatte man bereits einheitliche Vereinstrikots beschafft und war auch schon erfolgreich in einigen Radlerfesten aufgetreten. Das wichtigste Utensil eines Vereins zu dieser Zeit war eine Fahne beziehungsweise eine Standarte, mit der man in den Radlerfesten entsprechend auftreten konnte.
So wurde noch Ende 1926 die Herstellung einer passenden Standarte in Auftrag gegeben und die Einweihung im Rahmen eines großen Radlerfestes in Neumarkt a. Rott vorbereitet.
Hans Groß war
der Erste Vorsitzende
Am 10. Februar 1927 fand im Vereinslokal „Gasthof zur Post“ die erste Jahresversammlung mit Neuwahl der Vorstandschaft statt. Erster Vorsitzender wurde der Eisenbahner Hans Groß und sein Stellvertreter Josef Steckermeier. Gewählt wurden als Kassier der Mechanikermeister und Fahrradgeschäftsinhaber Sebastian Wimmer und als Schriftführer der Straßenwärter Georg Eckereder. Es wurde beschlossen, dass der Verein dem Landesverband des deutschen Rad- und Motorradfahrerverbandes „Concordia“ beitritt.
Am 23. Februar 1927 meldete der Neumarkter Anzeiger unter der Überschrift „Der hiesige Jung-Radlerverein „Frisch auf“ hat in seiner Versammlung einstimmig nochmals beschlossen, dass im kommenden Frühjahr die Standartenweihe, verbunden mit einem großen Korsofahren, abgehalten wird.“ Demnächst würden die Einladungen an rund 200 Brudervereine hinausgehen. Als Termin wurde für das Neumarkter Radlerfest der Sonntag, 26. Juni 1927, festgelegt.
Als Patenverein stellte sich der 1909 gegründete Radfahrverein „All Heil“ Zürn (nahe Schönberg) zur Verfügung. Als Fahnenbraut wurde Anny Wimmer, die Tochter des Neumarkter Vereinskassiers auserwählt, um die sich schnell eine Schar junger Damen als Festjungfrauen gefunden hatte. Im Zeitungsbericht über das Fest war zu lesen: „Am Festsonntag sammelten sich die 40 verschiedenen Vereine am Bahnhof und marschierten durch geschmückten Marktplatz und Johannisgasse nach St. Veit zur Standartenweihe.
Mahnung vom Pfarrer
an die Vereine
Zu Beginn der Festmesse hielt Kaplan Weigl eine bemerkenswerte Predigt, in der er den vielfach herrschenden unmoralischen Sportsgeist scharf geißelte und speziell an den festgebenden Radfahrverein eine dringliche Mahnung richtete, im Sport neben der körperlichen Ertüchtigung besonders die christliche Moral und Sitte zu pflegen.“ Der Rückmarsch vollzog sich in der gleichen Ordnung wie der Kirchenzug, das Ziel bildete die Festtribüne vor dem Rathaus. Hier ergoss sich über die Versammelten ein kurzer, erbaulicher Festakt. Bürgermeister Peter Hans gratulierte dem Radfahrverein „Frisch auf“ zum Feste. Als Nächste widmete die Fahnenbraut Anni Wimmer in einem Prolog ein schönes Fahnenband. Der Fahnenjunker schwor Treue zur Standarte. „Liebliche Mädchen brachten im Namen der Festjungfrauen poetische Grüße dem Verein ,Frisch auf‘ nebst einem prächtigen Fahnenband für den Patenverein.“
Der Schriftführer des Vereins dankte zum Schluss allen Erschienenen. Es erfolgte die Bänderverteilung an die Vereine, anschließend ein gemeinsames Mittagsmahl im Gasthof zur Post.
Nachmittags ab zwei Uhr fuhren die Radler vom Bahnhof startend durch die geschmückten Straßen des Ortes. Der Neumarkter Lokalreporter schrieb dazu: „Verschiedene Dutzend Vereine konkurrierten hierbei um die aufgeworfenen Preise. Hervorragende Gruppen nahmen daran teil, Damenabteilungen, Fahrer auf Hochrädern, buntgeschmückte Wägen, auf Fahrrädern aufgebaute Lauben mit Liliputradlern erhöhten die Schaulust der Festbesucher.“
Verein fördert Gefühl der
Zusammengehörigkeit
Eine bewundernswerte Organisation im festgebenden Verein, unterstützt von Herren der Bezirks- und Konkordialeitung hätten laut Döring für eine reibungslose Durchführung des so schön verlaufenden Radfahrerfestes gesorgt. „Möge der junge Verein den Gedanken des Zusammengehörigkeitsgefühls auf den Grundlagen der edlen sportlichen und weltanschaulichen Belange stets in Ehren halten, auf dass ihr nun enthülltes Banner flattere, frei und unentwegt in den Tagen manchen edlen Wettstreites im Sinne einer volksversöhnenden Bindung“.
Das hatte es mit dem
Hockerpreis auf sich
Im Anschluss nach dem Fahrradkorso erfolgte laut Zeitung die Siegerehrung in den jeweiligen Gruppen. Zu den Klängen der aufspielenden Musikkapelle Dasch endete im Hof des Gasthauses Post aufgestellte Zelt das große Radlerfest.
Anekdote am Rande: Unter den verschiedenen Preisen hatte der Radfahrverein damals auch einen sogenannten Hockerpreis ausgeschrieben; diesen sollte der auswärtige Verein gewinnen, der am Festsonntag am längsten in Neumarkt verbleibt.
Redakteur Döring schrieb dazu im Neumarkter Anzeiger: „Nun hockten die ganze Nacht drei Vereine im Gasthof zur Post. Als wir diese Zeilen schrieben, waren es noch zwei. Am Dienstag, 28. Juni, 1927 ist der umstrittene Hockerpreis dem Gastvereine Aschau zuerkannt worden, nachdem die Konkurrenz aus Mauerberg mittags um halb 12 Uhr abgereist war. Um dreiviertel eins Uhr kam von Aschau die dringende telefonische Nachricht, es solle sofort die Heimfahrt angetreten werden, sonst spuke es seitens der Herren Eltern gewaltig.“
Anlässlich des Jubiläums finden mehrere Veranstaltungen statt. Noch bis zum 14. Juni geht die Bike-Challenge. Für alle Teilnehmer findet während der 100-Jahr-Feier am Samstag, 11. Juli, im Schlossgarten von Adlstein eine große Tombola mit einem Hauptpreis statt.