Mühldorf – Bei der Freisprechungsfeier der Regierung von Oberbayern und des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Töging bekamen 87 junge Fachkräfte gute berufliche Chancen bescheinigt. Nach dem erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung haben 36 Hauswirtschafterinnen, sieben Fachpraktikerinnen Hauswirtschaft, 35 Landwirte und neun Landwirtinnen den Status eines Gesellen und damit ein gutes berufliches Fundament erworben.
In beiden Branchen bietet sich ihnen eine breite Vielfalt an Arbeitsmöglichkeiten in einem „absoluten Arbeitnehmermarkt“, wo kompetenten Fachkräften alle Türen offenstehen: Das verkündete Dr. Peter Nawroth, Leiter des Sachgebiets 61, Bildung in der Land- und Hauswirtschaft der Regierung von Oberbayern, bei der Freisprechungsfeier der Land- und Hauswirtschaft.
Es geht um das
Wohl der Menschen
Seine Behörde hat die Feier am selben Ort wie vergangenes Jahr zusammen mit dem AELF Töging für dessen Dienstgebiet durchgeführt, das die Landkreise Altötting und Mühldorf umfasst. Moderatorin war Barbara Stöckl, Bildungsberaterin Landwirtschaft der Regierung von Oberbayern. „Die professionelle Hauswirtschaft ist anspruchsvoll, weil es bei ihr um das Wohlergehen von Menschen geht“, erklärte Nawroth. „Hier sehen wir viele positive Beispiele für eine Weiterentwicklung in Altenheimen, bei der Schulverpflegung oder in Kindergärten.“ Daher sei auch ein steigendes Interesse an einer Ausbildung in der Hauswirtschaft festzustellen.
In der Landwirtschaft wiederum steige seit Jahren der Anteil der Auszubildenden, die keinen landwirtschaftlichen Betrieb im Hintergrund hätten. Er betrage in Oberbayern schon rund 30 Prozent. „Es handelt sich hier um Quereinsteiger mit hoher Leistungsbereitschaft“, lobte der Festredner. Die Landwirte wiederum, die als Betriebsnachfolger in den elterlichen Betrieb einträten, könnten eine „hohe Innovationsfähigkeit“ einbringen und böten die Chance für eine „vollkommene Neuorientierung“, wenn innerhalb eines Zeitfensters von rund 15 Jahren Alt und Jung gut zusammenarbeiteten.
Erfahrungen aus
der eigenen Ausbildung
Nawroth schloss mit einem Dank an Eltern, Auszubildende und Lehrer, die an der Persönlichkeitsbildung der jungen Menschen mitgewirkt hätten. Anschließend bat Isabella Riedl vier Gäste zu einem „moderierten Grußwort“ auf die Bühne. Riedl ist seit Juli beim AELF mit dem Schwerpunkt Tierhaltung tätig. Sie fragte den Mühldorfer Landrat Max Heimerl, den Altöttinger Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), Richard Straubinger, Alfred Huber, den Bereichsleiter Landwirtschaft des AELF, und Hans-Jörg Steinberger, den Vorsitzenden des für die Weiterbildung zuständigen Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) in beiden Kreisen, zunächst nach ihrer eigenen Ausbildung. Der Kreisobmann sprach von einem 80-PS-Schlepper von Fendt, von dem er damals geträumt habe, und bezeichnete unter dem Raunen des Publikums seine Abschlussfahrt nach Ungarn als schönstes Erlebnis seiner Ausbildung.
Der Landrat berichtete aus seinem Referendariat in Straubing von Verständigungsschwierigkeiten mit den „Waldlern“, die auch Alfred Huber kannte, selbst ehemals Referendar in Straubing. Sein Bericht von einer Feier bis 3 Uhr nachts mit anschließendem Stalldienst erheiterte die Gäste ebenfalls.
Wünsche der Absolventen
und Rückblick
Wie bei all seinen Auftritten vor Landwirten betonte der Mühldorfer Landrat, die Landwirtschaft habe für ihn „schon immer eine hohe Priorität“. Der Mühldorfer BBV-Kreisobmann Ulrich Niederschweiberer fordere das im Zweifelsfall auch ein.
„Der vlf ist die Weiterführung der Ausbildung, bloß ohne Noten“, sagte Hans-Jörg Steinberger. „Das Lernen endet nicht heute, sondern geht jetzt erst richtig los.“
Richard Straubinger wünschte den Nachwuchskräften „Glück, Zufriedenheit, Frieden und Selbstbewusstsein“ und riet ihnen, ihre Freundschaften zu pflegen. Heimerl sagte den jungen Leuten, sie sollten mutig und engagiert bleiben und sich auch ehrenamtlich engagieren. Nachdem sein Vorredner „Landwirt“ als den schönsten Beruf bezeichnet hatte, wies der ehemalige Schulleiter Heimerl darauf hin, dass auch die Berufsfachschule immer wieder Fachkräfte brauche. Beim anschließenden Interview mit je zwei Absolventen beider Fachrichtungen mit den Bildungsberatern Patrick Maier (Hauswirtschaft) und Martin Huber (Landwirtschaft) erklärte die frischgebackene Landwirtin Elisabeth Schäfer, ihr würden vor allem die Praxistage in Erinnerung bleiben. Der Online-Unterricht solle dagegen „etwas lebendiger gestaltet werden“. Das bekräftigte auch Junglandwirt Georg Maier. Auch Lea Kirmeier wünschte sich für die Hauswirtschaft „mehr Praxis, weniger Theorie“.
Bereit, viel Verantwortung
zu übernehmen
Letzter Programmpunkt vor der Zeugnisübergabe war ein Rückblick auf die Abschlussprüfungen. Als Vorsitzende des Prüfungsausschusses Hauswirtschaft erklärte Manuela Fleißner, bei der theoretischen und praktischen Prüfung sowie der Bewältigung einer Praxisaufgabe hätten ihre Bewerberinnen, die alle schon eine Ausbildung in einem anderen Beruf haben müssen, „ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein unter Beweis gestellt“. Sie hätten Erfahrung, fachliches Können und Teamgeist mitgebracht.
Als Vorsitzender des Prüfungsausschusses Landwirtschaft dankte Josef Feichtner 95 ehrenamtlichen Prüfern, die an elf Prüfungstagen auf sieben Betrieben 44 Prüflinge beurteilt hätten. Es habe sich um jeweils 22 Auszubildende und um 22 Absolventen des Bildungsprogramms Landwirt (BiLa) gehandelt.
Deren berufsbegleitende Ausbildung knüpft an eine abgeschlossene Erstausbildung an. Wie Martin Huber bei der Zeugnisübergabe hervorhob, waren darunter eine Verkaufsleiterin bei Audi, eine Hotelfachfrau, eine Bauzeichnerin, ein Elektriker, ein Zimmerer und ein Chemikant sowie eine Handvoll Landmaschinen-Mechatroniker.