München verneigt sich vor einer Diva: Die große Sängerin und Schauspielerin Margot Hielscher ist am vergangenen Freitag in einer stilvollen Trauerfeier verabschiedet worden. Rund 100 Trauergäste kamen zur sonnendurchfluteten Aussegnungshalle am Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof – darunter zahlreiche Stars und Prominente wie die Kessler-Zwillinge, der Sänger Max Raabe, die Schauspielerin Uschi Glas, Hans Günther Kaufmann, Cornelia Scheel (die Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel) und Franz Inselkammer mit Frau Angela.
Der evangelische Pfarrer Markus Rhinow betete für die Verstorbene und als erster Redner trat Peter Graf von Schall-Riaucour, Hielschers Neffe, nach vorne. Er konnte die Tränen nicht zurückhalten, als er an sein „Tantchen“ erinnerte. Auch Alt-Oberbürgermeister Christian Ude trat ans Pult. Er betonte, dass Hielscher auch eine Intellektuelle mit übergroßem Talent und Wissen gewesen sei. Er erzählte eine Anekdote, wonach ein Journalist sie – als sie schon über 80 Jahre alt war – darauf ansprach, dass ja „früher“ die Männer immer hinter ihr her gewesen seien. „Wieso früher?“, habe sie schlagfertig entgegnet.
Ein Trio aus Klavier, Cello und Klarinette ließ Schubert, Händel und ein Medley von Liedern Hielschers erklingen. Am Ende entzündete jeder Gast der Trauerfeier eine weiße Kerze an Hielschers Bild neben dem prächtig geschmückten Sarg.
Am Sonntag war Margot Hielscher mit 97 Jahren in ihrem Haus in Bogenhausen friedlich eingeschlafen. „Sie war nicht krank“, sagte ihr Neffe Peter Graf von Schall-Riaucour. „In letzter Zeit wurde sie zu Hause umsorgt, lag nur noch im Bett.“ Auch ihre drei Pflegerinnen waren zur Trauerfeier gekommen – voller Respekt für die verstorbene Dame.
Hielscher, eine gebürtige Berlinerin, war 1940 als Kostümbildnerin beim Film entdeckt und gleich für die erste Schauspielrolle verpflichtet worden: als Hofdame an der Seite von Zarah Leander in „Das Herz der Königin“. Zahlreiche Auftritte folgten, sie spielte an der Seite von Stars wie Curd Jürgens oder Karl-Heinz Böhm. Auch als Sängerin war Margot Hielscher international berühmt, zweimal trat sie für Deutschland beim Grand Prix d’Eurovision an.
In ihrer eigenen TV-Sendung „Zu Gast bei Margot Hielscher“ plauderte sie ab Mitte der 50er-Jahre mit Prominenten wie Leonard Bernstein oder Romy Schneider. Ihrer Wahlheimat München blieb sie mehr als 70 Jahre lang treu. „Ich bin wahnsinnig stolz auf meine Tante“, sagt ihr Neffe. „Sie war eine Frau mit Niveau, eine Dame.“
Andrea Stinglwagner