„Es ist eine der ältesten Messeveranstaltungen überhaupt“, sagt Reinhard Pfeiffer, Vizechef der Messe München. Doch was die heuer 1700 Aussteller aus mehr als 70 Ländern in mittlerweile 13 Hallen zeigen werden, ist das Modernste, das weltweit zu haben ist. 1951 als „Deutsche Brauerei-Ausstellung“ gestartet und später als „Interbrau“ weitergeführt, deckt die Messe, die heute als „drinktec“ firmiert, eine enorme Bandbreite ab: Von Rohstoffen und Herstellung über Abfüllung und Verpackung bis zu Marketing, IT-Lösungen und Buchhaltung geht es um alles, was man braucht, um Lebensmittel zu produzieren – egal ob Bier, Milch, Wein, Spirituosen oder Senf und Ketchup.
Hightech-Maschinen dominieren die Hallen, in denen am Wochenende noch emsig aufgebaut wurde, und Deutschland liegt unter den Herstellerländern ganz vorn. Es herrscht Aufbruchstimmung, denn „die Umsätze im Getränkemarkt steigen stetig“, berichtet Pfeiffer. Demnächst sollen sie weltweit 2,3 Billionen Euro erreichen. Die Anforderungen allerdings verändern sich. „Die Anlagen müssen sehr flexibel für unterschiedliche Produkte und Mengen einsetzbar sein“, beschreibt Pfeiffer den Trend.
Dass die drinktec trotz des Booms nur im vierjährigen Rhythmus stattfindet, erklärt der Experte so: „Eine Abfüllanlage, die schnell einmal eine Million Euro kostet, ist nicht nach ein paar Jahren kaputt. Da sind die Produktzyklen länger als in der Elektronik.“
Der vierjährige Turnus hat der Messe jetzt zu einem interessanten Zuwachs verholfen: Die SIMEI, eine auf Weinproduktion spezialisierte Messe des italienischen Weinbauverbands, sucht den Schulterschluss. Seit 1963 wird sie alle zwei Jahre in Mailand abgehalten. Als nun bekannt wurde, dass sie einen Partner sucht, „war sie eine unglaublich begehrte Braut“, berichtet Pfeiffer. Dass München das Rennen machte, lag zum einen an der Internationalität der „drinktec“: Hier trifft sich die Welt, nicht zuletzt dank des Zulaufs, den Tochterveranstaltungen in China, Indien und Südafrika der Muttermesse bescheren. Zum anderen passte der Turnus: „Die SIMEI wird nun alle vier Jahre mit der drinktec zusammen in München stattfinden und dazwischen in Mailand“, berichtet der Messechef. „Für uns ist das hochinteressant: Wir waren schon immer beim Bier sehr stark, der Wein lief aber eher ganz allgemein mit.“ Mit den Ausstellern der SIMEI könne man nun „von Bier bis zu Spirituosen und Wein hoch spezialisierte Lösungen bieten“.
Die werden immer häufiger nachgefragt. Die Craftbier-Szene etwa, die ihre erlesenen Spezialbiere mitunter in verkorkte Weinflaschen abfüllt, „kann sicher von den Weinproduzenten lernen“, sagt Pfeiffer. Branchenriese Krones, der allein eine ganze Halle belegt, ist für den Trend zu kleinen Chargen gerüstet: Als Messeneuheit präsentiert das bayerische Unternehmen eine Abfüllanlage, die ohne Etiketten auskommt. Die Flaschen werden individuell abgefüllt und bedruckt – bis hin zur Losgröße eins“, erläutert eine Firmensprecherin. Die Flasche mit persönlicher Widmung, womöglich sogar mit individueller Mixtur, wird damit möglich. Auch Palettierungs-Roboter dokumentieren den Trend zu größtmöglicher Flexibilität in der Produktion.
Obwohl als Fachmesse konzipiert, ist die drinktec auch für Privatbesucher offen. Tagestickets kosten online 29 Euro, an der Kasse 59 Euro. Schüler und Studenten erhalten gegen Ausweis freien Eintritt. Die Messe ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 18 Uhr, am Freitag bis 17 Uhr geöffnet.