Am Samstag war es eine Stellwerkstörung, die den Takt der U1/U2, der wegen Bauarbeiten an der Station Sendlinger Tor ohnehin verlangsamt war, vollends zum Aussetzen brachte. Fahrgäste berichteten unserer Zeitung von „einem selten da gewesenen Chaos“. Unter den Wartenden befand sich auch Anneliese Turbarisch aus Neuhausen. „Ich habe eine Stunde auf die U-Bahn gewartet“, sagt die 83-Jährige. „Ich habe mich an einen Kasten gelehnt, sonst hätte ich nicht durchgehalten.“
Wie Turbarisch ging es einen Tag später auch zahlreichen Teilnehmern des München Marathons, die sich abgekämpft und verschwitzt den Weg von der übervollen U3/U6 ins Untergeschoss bahnten, wo die Linien U1/U2 fahren. Unten angekommen hieß es erst einmal warten. Denn die U-Bahnen verkehrten abwechselnd eingleisig in beide Richtungen. Das Gleis Richtung Messestadt Ost/Mangfallplatz war komplett gesperrt. Auf dem offenen Gleis drängten sich die Menschen dicht an dicht.
Unter ihnen war auch Emilie Knopp. „Ich bin erst auf der anderen Seite heruntergelaufen, bis ich gemerkt habe, dass das Gleis gesperrt ist. Dabei bin ich heute schon genug gerannt. Ich würde mir mehr Durchsagen wünschen“, sagte die 29-Jährige aus der Au. Auch Johanna Schulz fühlte sich allein gelassen. „Ich wusste nichts von dem Chaos hier heute. Schon in der U3 war es schlimm. Wir standen wie Sardinen in der Bahn.“ Carmelina Morlando und Diamante Russo mussten derweil einen Zug am Hauptbahnhof erwischen. Doch Mutter und Tochter steckten am Sendlinger Tor fest. „Wir warten schon 15 Minuten“, ärgerten sie sich.
Die Servicemitarbeiter kamen am Gleis an beiden Tagen an ihre Grenzen. „Wir hatten viel zu wenig externes Personal“, verriet einer von ihnen unserer Zeitung. „Wir waren auf diese Situation nicht eingestellt. Ich war am Abend fix und fertig.“
Denn eingeplant waren nur die Baustellenarbeiten am U-Bahnhof Sendlinger Tor – ein Mammutprojekt der Münchner Verkehrsgesellschaft (s. Kasten). Deshalb fahren die Züge der Linie U1 und U2 zwischen Hauptbahnhof, Sendlinger Tor und Kolumbusplatz auch an den kommenden Wochenenden nur alle 20 Minuten statt im Zehn-Minuten-Takt: am Samstag und Sonntag, 14. und 15. Oktober, an den Feiertagen Dienstag, 31. Oktober, und Mittwoch, 1. November, sowie an allen vier Wochenenden im November. Außerdem entfällt die Verstärkerlinie U8 in diesen Zeiträumen.
Doch die technische Störung, die am Samstag auftrat, brachte das fragile System zu Fall. „Es hätte besser laufen sollen, als es gelaufen ist“, räumt MVG-Sprecher Matthias Korte auf Anfrage ein. „Das Problem war, dass gleich in der Früh die Stellwerkstörung auf der Linie U1/U2 auftrat – zusätzlich zur Baustellensituation.“ Die Möglichkeiten, eine solche Störung zu regulieren, sei aufgrund der massiven Baustelle noch begrenzter als im Normalverkehr. „Wir haben die Stellwerkstörung bis zum Betriebsende mit uns mitgeschleppt.“ Der Ärger der Fahrgäste über die Verspätungen sei „nachvollziehbar“. Mit einem zusätzlichen Pendelzug auf der U2 im Norden habe man versucht, auf die Ausnahmesituation zu reagieren.