Es ist ein Bild, das einen vor sozialer Kälte erschaudern lässt. Acht Tage nach dem Brandanschlag auf einen schlafenden Obdachlosen (51) am S-Bahnsteig im Hauptbahnhof veröffentlichte die Polizei am Freitag nun Fotos der Täter. Die Überwachungskamera dokumentierte, wie die beiden Männer widerliche Scherze mit dem hilflosen Mann trieben, ihn in Gefahr brachten und dabei auch noch die wenigen Dinge vernichteten, die er mit sich trug. Deutschlandweit wird nun nach den Zündlern gefahndet. 1000 Euro Belohnung sind ausgesetzt.
In kalten Nächten bieten die Bänke im Bahnhof vielen Obdachlosen Wärme und Schutz. In der Nacht zum 2. November hatte sich auch der 51-Jährige solch einen Platz im S-Bahnhof auf dem Bahnsteig Richtung Pasing gesucht. Er war betrunken, hatte über zwei Promille. Bald schlief er fest ein. Und merkte nicht, wie sich um 0.50 Uhr zwei etwa 20-jährige Männer auf höchst gemeine Weise über ihn lustig machten. Sie hockten sich feixend in albernen Posen neben ihn und fotografierten dabei mit der Handykamera. Einer der beiden warf schließlich eine Zigarette in die weiße Plastiktüte des Obdachlosen, die direkt neben seinem linken Hosenbein stand. Als nichts passierte, zündeten sie die Tüte mit dem Feuerzeug an. Einer stellte sich so davor, dass Passanten zunächst nichts sahen. Schnell schlugen die Flammen 50 Zentimeter hoch. Da fuhr die S-Bahn nach Petershausen ein. Die Männer sprangen hinein und überließen das Opfer seinem Schicksal. Ohne die Hilfe aufmerksamer Passanten hätte die Kleidung des Schlafenden vermutlich Sekunden später Feuer gefangen. Ein Mann stieß die Tüte mit dem Fuß weg. Ein zweiter Mann schob sie an die Bahnsteigkante. Ein Dritter rannte zur Notrufsäule, rief die Polizei. Auch diese drei Zeugen werden immer noch dringend gesucht. Ebenso sucht die Polizei Zeugen, die sahen, wo die Täter aus der S-Bahn stiegen. Die Identität der Täter ist offenbar schon bekannt. Sie sind aber seit Sommer 2016 offiziell nicht mehr gemeldet. Die arabisch bzw. nordafrikanisch wirkenden Männer sind beide Raucher. Einer hat seine Haare sehr kurz rasiert. Das Kommissariat 13 bittet unter der Rufnummer 089/29 100 um Hinweise.