ärger um die post

„Wir machen einen guten Job“

von Redaktion

von Marc Kniepkamp

Wer mit Felice Iannone in der Bayerstraße unterwegs ist, dem kommt München für einen kurzen Moment wirklich wie die nördlichste Stadt Italiens vor. Mit einem lauten „Ciao“ auf den Lippen begrüßt der aus Italien stammende DHL-Zusteller seine Kunden. Seit 18 Jahren ist die Gegend rund um den Hauptbahnhof sein Revier, bereits seit knapp 30 Jahren stellt Iannone Post Pakete zu.

„Die Zeiten haben sich extrem verändert“, erzählt der 47-Jährige. Im Februar 1989 hat er seinen Dienst angetreten – bei der Bundespost. Heute arbeitet er nicht mehr für eine Bundesbehörde, sondern für ein Dax-Unternehmen. Und auch sonst ist wenig beim Alten geblieben. „Damals hatte ich pro Tag 50 Pakete im Auto. Heute sind es oft 250“, sagt Iannone. Er erlebt beide Seiten der Digitalisierung. „Die Leute bestellen nicht mehr einzelne Artikel beim Otto-Versand, sondern fast alles im Internet.“ Andererseits hilft ihm die Technik, der Paket-Flut Herr zu werden. „Mit dem Scanner kann ich die Verwaltung der vielen Pakete viel schneller erledigen als früher. Da musste ich noch jede Lieferung in einem schwarzen Büchlein protokollieren.“

Zuletzt hatte sich großer Ärger rund um die Post breit gemacht. Ein immer wieder gehörter Vorwurf: Die Paketzusteller würden den Kunden lieber eine Benachrichtigung in den Briefkasten werfen als sich die Mühe zu machen, ein Paket tatsächlich zuzustellen. Iannone bricht eine Lanze für seine Kollegen. „Ich will am liebsten jedes Paket loswerden“, beteuert der 47-Jährige und erklärt, dass ihm jedes nicht zugestellte Paket nur Mehrarbeit verschaffe. „Dann muss ich die Benachrichtigung ausfüllen und das Paket neu einchecken und hinterher zur Filiale bringen“, sagt Iannone.

Grund für den Ärger seien oft Missverständnisse: „Wenn ich gar nicht erst ins Haus und an die Briefkästen komme, kann ich die Benachrichtigung auch nicht einwerfen. Die wird dann am nächsten Tag mit der Briefpost zugestellt. Wenn die Leute dann daheim sind, denken sie oft, ich hätte einfach eine Benachrichtigung eingeworfen, ohne zu klingeln“, erklärt Iannone.

Was sich ebenfalls geändert hat: „Die Münchner sind gestresster als früher.“ Und offenbar auch einsamer. In der Single-Stadt München sind tagsüber in vielen Haushalten keine Menschen mehr anzutreffen. „Und dann haben viele Nachbarn keine Lust mehr Pakete anzunehmen“, ärgert sich Iannone. Mehr Gelassenheit, wünscht sich der 47-Jährige – und lebt das in seinem Bezirk vor. Seine Kunden sprechen ihn auf der Straße an, ein kleiner Plausch oder auch nur ein schnelles „Ciao“ sind immer drin. „Ich habe meine Stammkunden ganz gut an mich angepasst“, lacht der 47-Jährige. „Das ist halt der italienische Stil!“

Trotz allen Ärgers und der schweren Pakete kann sich Iannone keinen anderen Job vorstellen. „Du musst das lieben. Ich bin auf der Straße daheim und könnte es mir überhaupt nicht vorstellen, den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen“, sagt er. Und auch seine Kunden würden ihren Felice vermissen.

Artikel 3 von 3