Ein kleiner blauer Punkt besiegelt ihr Schicksal: Hunderte so markierter Bäume wird die Stadt nächstes Jahr an der Isar fällen. Das hat das Baureferat am Wochenende bei einer öffentlichen Führung bekannt gegeben.
Von den rund 30 000 Bäumen in den Isarauen sollen 300 fallen, davon 230 Eschen. Im vergangenen Jahr waren es ebenso viele. Von der Max-Joseph-Brücke im Norden bis zum südlichen Stadtrand werden Arbeiter die Säge ansetzen. Der Grund: Gehölzpflege und Hochwasserschutz. Viele der Eschen leiden unter dem Eschentriebsterben und müssen deswegen gefällt werden. Die Krankheit ist das Werk eines Pilzes, der die Bäume befällt und zersetzt. Das bietet Einfallstore für andere Infektionen und Schädlinge, die das Holz schwächen – eine Gefahr für Spaziergänger, wie Gudrun Kloos vom Baureferat bei der Führung erläuterte. „Bereits bei leichtem Wind fallen die Bäume dann sehr schnell.“
Nur etwa ein bis fünf Prozent der Eschen sind gegen den aus Asien eingeschleppten Pilz immun, weswegen es an der Isar immer lichter wird. Weil aber nur kranke Bäume entfernt werden, hofft man im Referat, dass der Pilz irgendwann ausstirbt. Pflanzenschutzmittel dürfen in dem Landschaftsschutzgebiet nicht verwendet werden, sagt Kloos.
Im Hochwasserbett der Isar müssen vor allem Weiden gefällt werden. Sie dürfen dort nicht älter als drei Jahre werden, weil sie bei einem Hochwasser den Wasserablauf verhindern oder sich an Brückenpfeilern verfangen würden. Deswegen müssten die Weiden und Sträucher im Flussbett regelmäßig entfernt werden. Ziel sei es, so das Baureferat, den optischen Zustand der Isar als alpiner Fluss zu erhalten. Ein Biologe begleitet das Referat bei Begehungen, wodurch besonders schützenswerte Arten erhalten bleiben sollen. Aber: Mehr als drei Zentimeter Durchmesser sind nicht erlaubt. Dann würden die Wurzeln der Weiden zu stark.
Bei Eiseskälte waren nur eine Handvoll Bürger zu der öffentlichen Führung gekommen, um sich über die Maßnahmen zu informieren. Gisela Krupski ist eine davon. Sie hat zwei Anoraks übereinander angezogen, die Hände stecken in dicken Handschuhen. So geschützt, spaziert sie mit den Mitarbeitern des Baureferates an der Isar entlang und lässt sich ganz genau erklären, was im nächsten Jahr in den Auen passieren wird. Sie befürchtet, dass zu viel gefällt wird und vor allem zu schnell. Besonders um die Hecken sorgt sie sich: Sie seien Brutplatz für viele Vögel. Man solle die Bäume nicht ganz fällen, sondern einen Stumpf stehen lassen, in dem dann Vögel oder andere Tiere leben können. „Auf Torso schneiden“, nennt das Kloos vom Baureferat. Und sie versichert: Wo das möglich sei, werde es auch gemacht, obwohl es aufwendiger und teurer sei. Dafür müsse der Baum aber eine gewisse Standsicherheit bieten.
Beim Baureferat kämpft man auch mit eingeschleppten Pflanzen, sogenannten Neophyten, die sich unkontrolliert vermehren und heimische Pflanzen verdrängen. Einige Erfolge habe man – ganz ohne Chemie – mit Wasserdampf verbuchen können, erfahren die Teilnehmer.
Eine Biberfamilie, die an der Thalkirchner Brücke lebt, darf bleiben. Von ihr geht keine Gefahr aus. Zwar ernähren sich die Nager von Baumrinde, doch wertvolle Bäume werden mit Drahtgittern geschützt.
Man setze, anders als früher, in den Isarauen auf Transparenz und Nachhaltigkeit, versichern die Vertreter des Baureferats. Kein Wunder, arbeitet die Behörde doch hier stets unter den Augen tausender Spaziergänger.