Serie: Die Medizinische KleinTierklinik (1)

Blutreinigung für Jack-Russell-Mischling Julie

von Redaktion

Von Dorita Plange

Die Intensivstation ist das Reich des Intensiv- und Notfallveterinärs Dr. René Dörfelt (39), der auch die Spezialausbildungen für Anästhesie und Schmerztherapie absolviert hat und die Dialyse beherrscht. Ein international anerkannter Spezialist, der auch in Peking chinesische Tierärzte ausbildet. Zum Beispiel in der Dialysetechnik bei akuten Vergiftungen. Ein Verfahren, das Dörfelt neuerdings mit großem Erfolg anwendet, wie ein Fall aus jüngster Zeit zeigt.

An einem Oktoberabend ging Servicetechniker Stefan C. mit Jack-Russell-Mischling Julie (3) noch eine Abendrunde in Schwabing. In der Nacht wurde Julie unruhig: „Sie setzte sich dauernd auf, hechelte und zitterte so seltsam. Ich dachte erst, sie hätte Angst,“ erzählt Ehefrau Tanja. Doch die Zuckungen wurden stärker: „Da haben wir in der Kleintierklinik der Universität angerufen. Die sagten: Sofort kommen!“ Nur Minuten später waren Tanja und Stefan C. mit der Hündin in der Ambulanz. Da hatte Julie bereits den ersten epileptischen Anfall: „Der Arzt hat sie sofort in Narkose gelegt.“ Nach der Magen- und Darmspülung war klar: Die Hündin hatte hochgiftiges Schneckenkorn gefressen. Unter anderen Umständen hätte Julie tagelang unter Vollnarkose entgiften müssen – mit ungewissem Ausgang. In der Uniklinik jedoch wurde sie einer nur rund sechsstündigen Blutreinigung per Dialyse auf der Intensivstation unterzogen. Morgens um 7 Uhr durfte Tanja C. sie schon besuchen. Abends holte das Paar sie wieder heim: „Sie stürmte uns selig entgegen. Und wir waren so glücklich.“

Auch die Endoskopie hat im Notfall schon viele kleine Leben gerettet. Zum Beispiel, „wenn ein allzu gieriger Westi mal wieder ein dickes Stück Schweineknorpel im Hals stecken hatte. Auch verschluckte Angelhaken haben wir damit schon erfolgreich entfernt“, berichtet Dr. René Dörfelt.

Beim Besuch unserer Autorin sind gerade vier überwiegend herzkranke Hunde da, die rund um die Uhr von Ärzten, Pflegern und Doktoranden in ihren beheizbaren Hightechboxen und Sauerstoffboxen (für Tiere mit Atemnot) überwacht, behandelt, umsorgt und abgelenkt werden. An der Wand steht ein grünes Notfall-Gitterbett auf Rollen, das sich in Sekundenschnelle in die Mitte des Raumes ziehen lässt und von allen Seiten zugänglich ist. Dörfelt: „Das war mal ein Kinderbett und hat sich bei Notfällen bewährt.“ Denn die Tiere, die darin liegen, benötigen besonders intensive und engagierte Betreuung.

Zur Intensivstation gehört auch die Blutbank für Hunde und Katzen, die aus einem verhältnismäßig kleinen Kühlschrank besteht, in dem fast immer notorische Ebbe an Blut und Plasma herrscht. „Wir haben eine Spenderkartei von Hunde- und Katzenbesitzern, die wir bei Bedarf anrufen. Das dürfen aber gern noch mehr werden.“ Am Anfang steht jedes Mal eine gründliche, kostenlose Untersuchung der vierbeinigen Spender und am Ende ein Futtersack von Royal Canin – als Dankeschön.

Gefragt nach einem Wunsch an die Tierbesitzer muss René Dörfelt nicht lange nachdenken: „Ich wünsche mir, dass Tierbesitzer schneller zu uns kommen, als es oft der Fall ist. Dann könnten wir noch so viel machen.“ Er meint damit viele chronische Erkrankungen, die einen Spezialisten erfordern. Aber auch Notfallanzeichen wie ständiges Erbrechen, Krämpfe, Bewusstseinsstörungen, Herzrasen oder Atemnöte, die nicht immer leicht zu erkennen sind. „Achten Sie auf hohe Atemfrequenz und schnelle Atmung ihres Tieres auch im Schlaf. Dahinter könnte eine schwerwiegende Erkrankung stecken.“ Leiden Hund oder Katze an starker Atemnot, Krampfanfällen oder einer akuten Lähmung: Sofort in die Klinik an der Veterinärstraße 13 kommen.

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