Wenn Investor Andreas Dünkel gefragt wird, was sein Lieblings-Oldtimer ist, kann er das nicht pauschal beantworten. „Das kommt immer auf den Anlass an“, sagt der 53-Jährige. „Für ein US-Oldtimer-Treffen würde ich auf jeden Fall eine Corvette C1 nehmen. Beim Ausflug mit Kindern würde ich eher den Ur-Bulli von VW aus der Garage holen.“ Dünkel liebt das Detail und trägt auch gerne zum jeweiligen Auto-Jahrzehnt passende extravagante Anzüge. Seine Spezialgebiete: Mobilität und Immobilien. Dünkel ist Fahrzeugtechniker und Kaufmann, „mit Benzin im Blut“, wie er sagt.
An der Lilienthallee 35, im ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn, stellt Dünkel nun also auf 24 000 Quadratmetern Grund eine Eventfläche für Mobilitäts-Fans auf die Beine. Die Konzerthalle Zenith und die Eventhallen Kesselhaus und Kohlebunker sind direkte Nachbarn. Dünkel hat diese ebenfalls übernommen. Mit der Motorworld entsteht so ein gewaltiges neues Event-Ensemble mit einem gemeinsamen großen Entree.
Die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Dünkel lässt den südlichen Teil des gewaltigen Komplexes um- und ausbauen. Entstehen soll ein Treffpunkt für „Liebhaber hochwertiger Fahrkultur“, wie es auf der Homepage heißt. Das Herzstück funktioniert so: Private Besitzer von Oldtimern oder Premiumautos und -motorrädern mieten in Dünkels Motorworld einen Stellplatz und zahlen bis zu 300 Euro im Monat, damit ihr Schmuckstück gut aufbewahrt wird. Andere PS-Fans können die „Motorwold“ besuchen und sich die Fahrzeuge ansehen. Dünkel betont: „Der Eintritt wird frei sein. Jeder soll sich dort umschauen und Zeit verbringen können. Das ist mir sehr wichtig. Das wird nicht exklusiv.“ Auf Wunsch schützt eine Glasbox die Fahrzeuge vor Berührung. Wer sein Gefährt nutzen will, kann es jederzeit holen. Auch einzigartige Neuwagen gehören zum Konzept. Die Motorworld ist kein Museum – auch wenn Oldtimer Dünkels Leidenschaft sind: „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich gerne den BMW 328 mal in der Motorworld sehen.“
Restaurants, Werkstätten, Teilehändler, Sattler und ein Hotel mit Themen-Zimmern wie „Rolls Royce“ oder „Waschanlage“ sind in der Halle geplant – auf bis zu vier Etagen, in offener Bauweise, auf einer Fläche so groß wie drei Fußballfelder. Hoch genug ist die Halle mit rund 18 Metern auch. Die denkmalgeschützte Dachkonstruktion bleibt und wird in den modernen Innenausbau integriert. Unter dem Gebäude entstehen zwei Tiefgaragen mit insgesamt 600 Stellplätzen.
Im Grunde sollen Auto-Freaks in der „Motorworld“ alles finden, was ihr Herz begehrt: Vom exklusiven Fahrzeughandel über Spezial-Werkstätten bis hin zu hochwertigen Accessoires. Es wird Events geben, wer will, kann sich für Konferenzen und Kongresse einmieten – und die Gäste gleich in der Halle im Vier-Sterne-Hotel parken.
Andreas Dünkel ließ sich von der Lage im Münchner Norden nicht beirren und verliebte sich sofort in die Halle, als der frühere Eigentümer „CA Immo“ ihm diese anbot. „Ein Backsteingebäude mit so geballter Geschichte, das findet man selten“, sagt Dünkel, Chef der „Activ-Group“, einem Immobilien-Unternehmen, das Teil der Dünkel-Holding ist.
Das Areal an der Lilienthalallee hat eine bewegte Geschichte: 1916 ließen sich dort die Bayerischen Geschützwerke nieder. In den 20er-Jahren entstand das Reichsbahn-Ausbesserungswerk. 1942 kam eine Dampflok-Richthalle hinzu. Die Deutsche Bahn nutzte den Komplex bis 1995, seitdem dümpelte er vor sich hin.
Anfang 2019 soll es so weit sein. Dann will die Münchner Motorworld eröffnen. Dünkels Team hat bereits Erfahrung, denn München ist nur eines von mehreren Projekten. Schon seit 2009 stehen die Tore der Motorworld Böblingen bei Stuttgart offen. Insgesamt möchte Andreas Dünkel bis 2020 fünf solcher Motorworld-Filialen in ganz Deutschland eröffnet haben.