Nahverkehr

Die Mobilitäts-Offensive der MVG

von Redaktion

Von Sascha Karowski

Man kann an dieser Stelle durchaus Sepp Herberger zitieren: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Das gilt in besonderem Maße für die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die jüngst erst zum Fahrplanwechsel einige Erweiterungen des Angebotes im Öffentlichen Personennahverkehr bekannt gegeben hat. U- und Trambahnen fahren beispielsweise öfter und länger, einige Buslinien sind wegen neuer Ampelschaltungen rascher unterwegs. Doch damit wird es die MVG nicht bewenden lassen. Sie kann es auch gar nicht.

Bis 2035 sollen nach aktuellen Prognosen des städtischen Planungsreferates 1,85 Millionen Menschen in München wohnen. Davon wird ein Gutteil auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sein, die bereits jetzt ausgelastet, zu Stoßzeiten in manchen Abschnitten sogar überlastet sind. Laut Hochrechnungen der MVG wächst die Nachfrage jedes Jahr um zwei Prozent.

Neue U-Bahn-Trassen sind politischer Wunsch, doch bis eine U 5 nach Freiham fährt oder eine U 9 unter der Innenstadt, werden Jahre vergehen. Flexibler kann die MVG mit dem Ausbau des Tram- und des Busnetzes reagieren. Unsere Zeitung hat exklusiv Einblick erhalten in die Pläne der Verkehrsbetriebe.

U-Bahn

Für die U-Bahn gibt es das grobe Ziel eines einheitlichen 5-Minuten-Taktes im Gesamtnetz bis 2021. Das heißt: Alle Strecken werden tagsüber mindestens alle fünf Minuten bedient. Den Anfang macht die U2. Sie wird ab Mitte 2018 die erste Linie sein, die den ganzen Tag über zwischen Harthof und Messestadt Ost mindestens im Fünf-Minuten-Takt verkehrt, an Schultagenebenso wie in den Ferien.

Tram

Gedanklich weiter sind die Skizzen für ein neu gestaltetes Netz bei der Tram, das bis 2021 mit optimierten Linienverknüpfungen und zusätzlichen Verstärkerlinien aufwarten soll. Möglich wäre eine dritte Linie (Arbeitstitel: Tram 14) zur Taktverdichtung auf der Arnulfstraße zwischen Romanplatz und Hauptbahnhof. Ferner ist eine eine dritte Linie (Tram 29) auf der Landsberger Straße, zwischen Willibaldplatz und Hauptbahnhof angedacht. Zudem könnte auf der Barer Straße eine zusätzliche Linie (Tram 26) eingerichtet werden und den Stachus mit dem Kurfürstenplatz verbinden. All diese Maßnahmen hätten zur Folge, dass alle drei oder vier Minuten eine Tram fahren würde. Bisher gilt ein Fünf-Minuten-Takt.

Zudem denkt die MVG über eine zweite Linie (Tram 28) zur Taktverdichtung (fünf statt zehn Minuten) zwischen Sendlinger Tor und Schwanseestraße nach. Eine weitere Idee ist, die Linie 20 bis zum Sendlinger Tor zu verlängern.

Für das neue Tramnetz wäre laut MVG eine neue Gleisverbindung zwischen Arnulfstraße und Prielmayerstraße, ein Durchstich am nördlichen Bahnhofplatz, Voraussetzung. Geplant ist die neue Trasse 2020.

„Das sind alles noch Gedankenspiele, sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. „Nichts ist in Stein gemeißelt. Nichts ist entschieden.“ Abhängig sei der Ausbau des Tram- und auch des Busnetzes freilich von der Verfügbarkeit neuer Fahrzeuge und auch des Personals. „Wenn sich herausstellt, dass wir durch eine staatliche Förderung mehr Geld erhalten, können wir schon früher in die Beschaffung größerer Tramzüge einsteigen“, sagt Korte. „Dann könnten wir diese auch eher einsetzen und uns vielleicht eine weitere Linie sparen.“

Bus

Das gilt in ähnlicher Weise auch für den Bus. Da feilt die MVG derzeit an einem eigenen Netz aus Expressbuslinien. Ausgangspunkt sind die bereits bestehenden Linien sowie die neuen, die ab dem nächsten Jahr eingerichtet werden, etwa der X 50 von Moosach zur Studentenstadt und der X 80 von Moosach nach Puchheim (siehe Grafik).

Ein neuer Expressring aus zwei Linien könnte ab Ende 2019 entstehen. Der Süd-Halbring (Arbeitstitel: X 30) würde Romanplatz, Hirschgarten, Harras, Ostbahnhof und Arabellapark verbinden und dort möglicherweise auf den Nord-Halbring (Arbeitstitel: X 40) treffen, der zwischen Aidenbachstraße, Heimeranplatz, Donnersbergerbrücke, Ackermannstraße, Bonner Platz und Arabellapark pendeln könnte.

Obendrein gibt es ein Konzept aus vier Expressbuslinien für den Münchner Norden, das eventuell schon ab 2020 greifen könnte. So würde der X 50 von Pasing über Moosach und den Frankfurter Ring zur Studentenstadt fahren, der X 60 über Am Hart, Frankfurter Ring ins östliches Stadtgebiet pendeln. Ferner ist eine Linie X 70 angedacht, die den U-Bahnhalt Am Hart über den Frankfurter Ring mit dem nördlichen Stadtgebiet verbinden soll. Der bereits bestehende X 80 könnte zudem von Puchheim über Moosach und den Frankfurter Ring nach Am Hart verlängert werden.

Auch für den Münchner Süden gibt es die Idee für einen Ringschluss aus Expressbussen, die 2021 umgesetzt werden könnte. Das Grobkonzept sieht eine Linie mit dem Arbeitstitel X 20 vor, die die Parkstadt Solln mit dem Candidplatz, dem Ostbahnhof (Ost) und der Messestadt verbinden könnte. Ein X 25 würde über Großhadern, Harras und Candidplatz bis Neuperlach Süd pendeln, der X 35 soll Fürstenried West, den Candidplatz, Neuperlach und Waldperlach verknüpfen.

Korte: „Voraussetzung für ein funktionsfähiges Expressbusnetz sind zum Beispiel der Ausbau von Busspuren und zusätzliche Haltestellen insbesondere an den Knotenpunkten. Nur so wäre gewährleistet, dass die Busse an die Qualitätsstandards des Schienenverkehrs heranreichen und damit die beabsichtigte Entlastungswirkung entfalten können.“ Wohlgemerkt: Noch nichts ist beschlossen, genaue Linienführungen werden im Detail erst in den nächsten Jahren skizziert. Alles noch in Planung, ein Gedankenspiel. Und da ist das nächste bekanntlich immer das schwerste.

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