Die christliche Prägung Deutschlands und Europas beizubehalten erfordert nach Worten von Kardinal Reinhard Marx, dass sich Menschen in Politik und Gesellschaft engagieren, die von Jesus von Nazareth her denken. „Es gibt keine christliche Kultur in unserem Land ohne Jesus und seine Perspektive. Mit ihm, mit seiner Lebensgeschichte, seinen Worten wollen wir die Gesellschaft gestalten“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Sonntag bei der Silvesterpredigt im Münchner Liebfrauendom. Die christliche Kultur könne nicht musealisiert werden, sie gehöre in den Kontext des Lebens, so Marx weiter. „Christus ist die Aufklärung über unserem Leben, über der Geschichte, über der Schöpfung.“
Der Kardinal rief dazu auf, mit Hoffnung, Zuversicht und im Geist des Evangeliums ins neue Jahr zu gehen. Fundamentalismus und Fanatismus machten ihm vor allem im Islam Sorgen. „Nie mehr darf Religion zum Instrument des Hasses pervertiert werden“, sagte Marx. Deutschland habe im Dreißigjährigen Krieg erleben müssen, wie Religion benutzt wurde zum Kampf gegeneinander und zur Herrschaft über andere.
Der Kardinal erinnerte an das Ende des Ersten Weltkriegs 1918, der ein „europäischer Bürgerkrieg ungeahnten Ausmaßes“ und eine „Urkatastrophe“ gewesen sei. Europa als „Kontinent des Friedens“ bleibe für Christen nach den beiden Weltkriegen eine Aufgabe. „Wir müssen aufpassen, dass dieses Projekt nicht zerfleddert wird.“ Marx rief zu erneuter Anstrengung für eine gute Zukunft Europas auf. „Wollen wir wirklich in Nationalismus zurückfallen, oder Europa auf der ganzen Welt zum Vorbild für Versöhnung und Frieden machen?“, fragte er. Es gelte den richtigen Augenblick nicht zu verpassen. „Das können wir nur, wenn wir uns an Jesus von Nazareth orientieren.“ kel