Silvesternacht

Rauschendes Fest mit Zwischenfällen

von Redaktion

VON stefanie wegele

Überschattet wird der Start ins neue Jahr von einem urplötzlichen Angriff auf einen Münchner. Kurz nach 4 Uhr ging ein 20-Jähriger aus dem Kreis Regen auf der Ruppanerstraße in Kirchtrudering aus dem Nichts auf den 58-Jährigen los. Der Industriemechaniker zielte auf die Augen des Münchners. Er wollte die Augäpfel herausdrücken. Hilfeschreie alarmierten die Nachbarn, die den Notruf wählten. Der Münchner wurde mit schweren Verletzungen an den Augäpfeln in eine Klinik eingeliefert. Polizisten nahmen den 20-Jährigen fest. Er wurde in ein psychiatrisches Krankenhaus gebracht.

Einige Stunden zuvor schreckte ein dumpfer Knall die Wachmannschaft der Feuerwache Ramersdorf auf. Er kam von einer Bushaltestelle an der Anzinger Straße. Als die Einsatzkräfte zur Bushaltestelle liefen, kamen ihnen zwei Jugendliche entgegen. Sie erzählten, dass ein Freund einen Böller gezündet hatte, der in seiner Hand explodierte. Durch die Wucht waren Teile seiner rechten Hand abgerissen. An der linken hatte er Durchblutungsstörungen.

Ebenfalls schwere Verletzungen zog sich eine 14-Jährige am Marsplatz zu, als sie durch eine Glaskuppel etwa vier Meter in die Tiefe stürzte. Laut Feuerwehr war die Jugendliche mit einer Gruppe junger Mädchen kurz nach Mitternacht von einer Einliegerwohnung aus auf das Flachdach eines Schulgebäudes geklettert. Die Mädchen wollten als Erinnerung an die schöne Silvesternacht Selfies machen. Dabei trat die 14-Jährige auf die Kuppel und brach durch. Beim Sturz zog sie sich Verletzungen an der Lendenwirbelsäule zu. Beide Jugendlichen wurden in Spezialkliniken gebracht.

Montag gegen Mittag erlitten ein Geschwisterpaar und dessen Freunde im Alter zwischen elf und 14 Jahren in Pasing Verbrennungen an Händen und Brust sowie Knalltraumata. Die vier Kinder hatten an der Richard-Riemerschmid-Allee offenbar einen Polen-Böller gezündet.

Mit viel Alkohol und Böllern begrüßten etwa 7000 Menschen am Friedensengel (im Vorjahr 3000), 4000 im Olympiapark und 6000 auf dem Marienplatz das neue Jahr. Obwohl laut Polizeisprecher Sven Müller mehr Feiernde draußen unterwegs waren, blieb die Zahl der Einsätze auf dem Niveau des Vorjahres. Zu etwa 240 Einsätzen wurden die Beamten gerufen, zu knapp 120 die Feuerwehr. Die Einsatzkräfte registrierten zwischen 19 und 7 Uhr etwa 100 Brände, 64 Streitereien und Randalierer, 21 Einsätze wegen Pyrotechnik, 14 Sachbeschädigungen, 33 Körperverletzungen und 53 Ruhestörungen. Die Leitstelle verzeichnete 458 Notarzteinsätze. Am Marienplatz waren kurzzeitig so viele Menschen, dass der S-Bahnhof überlastet war und die Züge auf Anordnung der Polizei dort nicht mehr hielten. Etwa 100 Polizisten waren dort im Einsatz. „Es gab mehrere Anzeigen, weil Pyrotechnik so eingesetzt wurde, dass andere Feiernde gefährdet wurden“, sagt Müller. Zudem zündeten einige Feierwütige nicht zugelassene Böller. Aufgrund des großen Andrangs wurden sogar einige Rettungswagen am Marienplatz bereit gestellt.

Hinweise zu Übergriffen auf Frauen gab es nach ersten Erkenntnissen in München nicht.

Bereits zwei Tage vor Silvester registrierte die Polizei Zwischenfälle mit Feuerwerksraketen. Ein 52-Jähriger brachte sich selbst ins Gefängnis, weil er in seiner Wohnung Am Hart Böller zündete. Die Wohnung brannte aus, der Mann kam in eine Klinik. Dort entließ er sich selbst, wurde vor seiner Wohnung dann allerdings festgenommen und wegen schwerer Brandstiftung angezeigt. Da er keinen festen Wohnsitz hat – seine Wohnung gilt als unbewohnbar – schickte ihn der Ermittlungsrichter in Untersuchungshaft. Ebenfalls am 29. November explodierte in einem MVG-Bus der Linie 60 in der Fasanerie ein Böller. Fahrgäste waren nicht im Bus. Der 46-jährige Fahrer erlitt ein Knalltrauma.

Artikel 2 von 11