Es ist ein Bild voller Gegensätze im Hofbräukeller. Die SPD in München ist populär, die Mitgliederzahlen steigen stetig, und so ist auch das Interesse am Dreikönigstreffen groß. Der Saal ist so voll, dass es nicht für jeden einen Sitzplatz gibt. Auf der anderen Seite haben die Genossen im Bund gerade das schlechteste Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren. Und jüngste Umfragen zur Landtagswahl sehen die SPD in Bayern bei überschaubaren 15 Prozent. Man habe schlicht ein Problem damit, die eigenen Verdienste als solche zu verkaufen, urteilte OB Dieter Reiter. „Der Mindestlohn ist ein Erfolg, aber es ist nicht gelungen, ihn mit der SPD zu verknüpfen.“ Bei der SPD werde zudem nie darüber gesprochen, was man tun könne, sondern nur darüber, was nicht geht. „Wenn wir übers Wasser laufen könnten, hieße es, die SPD kann nicht mal schwimmen.“ Wäre er der Chef eines solchen Unternehmens, er würde die PR- und die Marketingabteilung austauschen. „Wir müssen besser kommunzieren. Das sagen, was wir tun, und dann das tun, was wir sagen.“
Reiter schoss sodann gegen den Landesgruppenchef der CSU, Alexander Dobrindt, der unlängst zur konservativen Revolution ausgerufen hatte. Er, Reiter, hätte nicht gedacht, „dass ich mal die Zeit vermisse, in der sich Dobrindt noch um die Maut gekümmert hat“.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer sieht das ebenso: Deutschland brauche keine konservative Revolution. Und in Bayern sei es an der Zeit, dass auch Frauen ein bisschen mehr zu sagen haben, sagte Dreyer mit Blick auf die Spitzenkandidatin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen. Dreyer und Kohnen sind Teilnehmer der Sondierungsverhandlungen in Berlin (siehe dazu auch Interview im Politikteil). Dreyer sagte weiter, dass es Zeit sei, dass „die SPD wieder zu einer starken, linken Volkspartei wird“.
Natascha Kohnen schwor die Genossen auf die bevorstehende Landtagswahl ein, bei der sie die SPD als klare Alternative zur CSU präsentieren will. Dabei setze sie nicht auf Hetze gegen Minderheiten und darauf, dass Schwache gegen Schwächere ausgespielt würden. Der „billige, dreckige Populismus“ widere sie an. Ihre SPD werde sich für mehr Anstand und Respekt im Miteinander einsetzen. Und für „mehr Respekt gegenüber den Bedürftigen“.