„I am interested in Weltverbesserung“ – „ich bin interessiert an der Weltverbesserung“. Dieser Satz aus seiner Doktorarbeit beschreibt präzise, was den Klimaforscher und Wirtschaftswissenschaftler Ottmar Edenhofer (56) antreibt. Der renommierte Wissenschaftler, der noch Vize-Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung ist und ab Ende September an die Spitze vorrückt, ist gestern mit dem Romano-Guardini-Preis der Katholischen Akademie Bayern ausgezeichnet worden.
Als Wirtschaftswissenschaftler von hohem Rang, engagierter Politikberater und öffentlicher Mahner verweise er „unermüdlich auf den Klimawandel als eines der drängendsten Probleme unserer Erde“ – und schlage konkrete Lösungen vor, trug Akademiedirektor Florian Schuller als Preisbegründung vor.
Der Niederbayer ist einer der führenden Klimaökonomen. Er beriet Papst Franziskus im Vorfeld der Umwelt-Enzyklika „Laudato si“ und war ein wichtiger Impulsgeber für das Pariser Weltklima-Abkommen von 2015. So wunderte es nicht, dass die Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen, Patricia Espinosa Cantellano, die Laudatio hielt. Stolz sei sie, „ihn als Verbündeten auf dem Weg zum Klimaschutz zu bezeichnen“. Edenhofer sei mehr als ein Mann unserer Zeit, „er ist ein Mann der Zukunft“. Einer, so stellte der Klimaforscher unter Beweis, den auch die politische Großwetterlage umtreibt. Denn der bedrohliche Klimawandel könne auch ethnische Konflikte gefährlich anfeuern. „Die europäische Flüchtlingspolitik ist eine Zerreißprobe für die deutsche Regierung und die EU geworden“, sagte er. Dabei würden die Maßstäbe in einem erschreckenden Ausmaß verzerrt. Im ersten Halbjahr 2018 seien 50 000 Flüchtlinge nach Europa gekommen – angesichts von 65 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht seien, eine geringe Zahl.
Man könne sich heute den Ruf als Realpolitiker in der Flüchtlingspolitik erwerben, „wenn man Härte gegen Migranten und Flüchtlinge fordert“. Diese „vermeintlichen Realpolitiker“ verweigerten sich aber der Wirklichkeit: Europa könne die Kriege im Nahen Osten ebenso wenig ignorieren wie die Folgen des Klimawandels auf der Welt. „Wer glaubt, man könne Flüchtlinge und Migranten vor allem mit militärischen Mitteln an den Außengrenzen abwehren, hat die Dimension des Problems nicht einmal im Ansatz verstanden“, so Edenhofer. Diese Herausforderungen könnten nur gemeinsam gemeistert werden, indem Fluchtursachen bekämpft, Geflüchtete menschenwürdig aufgenommen und die Lasten der Migration fair verteilt würden. Die Menschheit sei eine globale Schicksalsgemeinschaft – daran werde auch kein Populist etwas ändern.
Einschätzungen ganz im Sinne von Kardinal Reinhard Marx, der manche aktuellen politischen Diskurse bedauert: „Die Welt steht in Flammen. Und wir verzetteln uns in neuen Nationalismen.“ Statt die Menschen zusammenzuführen, gehe es um Selbstbehauptungsstrategien. „Welch ein Wahnsinn! Wir müssen den großen Faden aufnehmen. Das tut der Papst – auch mit Hilfe von Personen wie Professor Edenhofer.“ Claudia Möllers