Nach dem Flugtaxi-Vorschlag

Flugtransporter in München: „Nicht teurer als ein normales Taxi“

von Redaktion

Abheben vom Starnberger Flügelbahnhof: Der CSU-Vorschlag, Flugtaxis könnten Passagiere in sieben Minuten vom Hauptbahnhof zum Airport bringen (wir berichteten), sorgt für viel Gesprächsstoff. „Völlig verrückt“, sagen die einen. „Der richtige Schritt in die Zukunft“, sagen die anderen. Sicher aber ist: Die CSU-Idee war schon in den 1920er-Jahren aktuell. Ob das ganze 100 Jahre später tatsächlich möglich ist, haben wir die Weßlinger Firma Lilium GmbH gefragt, die Lufttaxis entwickelt.

Auf der Postkarte unten rechts schwirrt ein g’wamperter Münchner auf einem Bierfass an der Bavaria vorbei. Das Bild stammt aus dem Archiv von Fotograf Heinz Gebhardt, der mit einem Schmunzeln dazu sagt: „Flugtaxis in der Stadt, das ist doch eine alte Schnapsidee…“ Was wirklich über den Bahnhof schwebte, war das Luftschiff Graf Zeppelin. Laut Stadtchronik hat der Zeppelin am 28. September 1928 mit Oskar von Miller an Bord über dem Bahnhof einen „Briefbeutel“ für die Münchner Zeitung abgeworfen und eine Schleife um Frauenkirche und Rathausturm gedreht.

Ist das bald auch mit einem Lufttaxi möglich? Das weiß Daniel Wiegand (33) von der Firma Lilium, die er mit drei Ingenieuren und Doktoranden von der Technischen Universität München gegründet hat. Seit 2015 entwickelt und baut das Unternehmen in Weßling (Kreis Starnberg) den weltweit ersten elektrischen Senkrecht- und Landungsjet, der bis zu Tempo 300 schafft. „Wir freuen uns natürlich, dass sich München mit dieser Thematik befasst“, erklärt Wiegand. „Mit dem Lilium Service würden wir zu einer sauberen, bezahlbaren und effizienten Mobilität in München beitragen.“

Ein unbemannter Erstflug fand bereits im April 2017 auf dem Flugplatz Oberpfaffenhofen statt. Aber welche Voraussetzungen sind nötig, um diesen Jet auch in der Innenstadt starten zu lassen? „Die Anforderungen sind vergleichsweise gering, da wir ja vertikal starten und landen“, sagt der Geschäftsführer. „Da braucht es nur eine kleine Landefläche mit relativ geringer Bodenbelastung. Verglichen mit den Kosten für den Ausbau von Zugverbindung oder Autobahnen ist diese Technik unschlagbar.“

Ein Lilium-Jet könnte laut Wiegand bereits in den frühen 2020er-Jahren abheben. „Perspektivisch wird es möglich sein, in einem Radius von 300 Kilometern jedes Ziel anzufliegen, das mit der notwendigen Lande- und Start-Plattform ausgestattet ist“, sagt der begeisterte Flieger. „Dies ermöglicht es jedem einzelnen, seinen Lebensradius um ein Vielfaches zu erweitern.“ Aber kann sich das der Durchschnittsbürger auch leisten? Wiegand ist optimistisch: „Es sollte uns möglich sein, bei mittleren Strecken unter den Preisen eines konventionellen Taxis zu liegen.“ M. Williams

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