Das Wasser plätschert, am Ufer ziehen die Bäume vorüber – es ist schon ein traumhaftes Erlebnis, so eine Schlauchbootfahrt auf der Isar. Doch diese Touren nehmen an manchen Sommertagen gewaltige Ausmaße an: Da drängelt sich Boot an Boot, Musik dröhnt, Betrunkene hinterlassen Müllberge, es kommt zu teils tragischen Unfällen.
Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen will nun durchgreifen, wie unsere Zeitung berichtete: Eine Isarverordnung soll den Boots-Verkehr drastisch einschränken. Und eine solche wird es demnächst nun auch in München geben: „Auch die Stadt München beabsichtigt Regelungen zum Schlauchbootfahren zu erlassen, um die Risiken zu minimieren“, teilte das zuständige Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) am Freitag mit. Mehr Details werden noch erarbeitet.
Zig Interessen prallen bei dem Thema aufeinander: Da sind die Freizeitpaddler, die Wassersportler, die Naturschützer, Fischer, Bootsverleiher wie die „Isarpiraten“ – und die Rettungsorganisationen. Maiko Alpers von der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft Geretsried: „Im letzten Jahr hatten wir allein 42 Rettungseinsätze bei Booten. Es häuft sich immer mehr. Auf der Isar geht’s schon zu wie auf der A95. Da fahren zum Teil in einer Stunde 200 Boote.“
Eine Tölzer Umfrage hatte ergeben: Die meisten Bürger wünschen sich klare Regelungen. Geprüft werden nun konkret Fahrverbote zu bestimmten Zeiten (etwa zu Laich- und Brutzeiten, bei Hochwasser oder nachts), Verbote von Alkohol und Glasflaschen oder eine Schwimmwestenpflicht.
Und in München? Im Stadtgebiet ist das Bootfahren bisher bis zur Höhe Thalkirchner Brücke erlaubt, so das RGU. Auch hier wächst die Zahl der Paddel-Freunde. Die Stadt München wirbt ja sogar selbst auf ihrer Homepage dafür: „Nach einer entspannten Bootstour mit Freunden schmecken Grillgut und Feierabendbier am Flaucher gleich viel besser.“
Für Manfred Siering, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe München des Bund Naturschutz, ist das ein Unding: „Da sind immer mehr Leute unterwegs, ohne Respekt vor der Natur. Oft in Billigbooten von Aldi oder Lidl, mit Extra-Boot fürs Biertragerl und Musik, die das Isartal beschallt.“ Dabei würden seltene Vögel bedroht, Biber, Fischotter und Fische kämen in Bedrängnis. Eine Verordnung zum Schutz des Isartals sei längst dringend notwendig, man brauche auch mehr Isar-Ranger. Siering versteht letztlich aber auch, was die Menschen aufs Wasser treibt: „Die Natur ist eng geworden – die letzte kleine Wildnis an der Isar zieht den Menschen an.“