Bei der letzten Sitzung des Kreistages vor der Sommerpause hat der Tölzer Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) wie berichtet die Katze aus dem Sack gelassen: Der „Gemeingebrauch“ in den Isarauen „wird eingeschränkt“, sagte er. Die Bootsverordnung kommt im Jahr 2019. Eine Verordnung, die polarisiert, auch in der Landeshauptstadt. Das Thema, so Niedermaier, bewege hier „viele sehr massiv“. Bootfahren als Massenvergnügen. Steigende Klagen von Anwohnern und Naturschützern, Angst um Fischlaich und Vogelbrut, Rettungskräfte, die zu immer mehr riskanten Einsätzen ausrücken müssen. Knapp 3000 Bürger hatten an einer Online-Umfrage des Landkreises zur zukünftigen Isarnutzung teilgenommen. Ergebnis, so Niedermaier: Ein „großer Teil der Befragten“ wünsche sich „eine klare Regelung“, so Niedermaier. Und: „Ich nehme aus der Umfrage den Auftrag mit, eine Verordnung zu erlassen.“ Vorher seien allerdings noch „jede Menge rechtliche Fragen“ zu klären“, so der Politiker. „Wir werden uns im Herbst zusammensetzen. Mit den Beteiligten reden. Mir ist auch klar, dass wir Klagen kriegen werden“.
Zu beneiden ist Landrat Niedermaier jedenfalls nicht. Völlig zu Unrecht ins selbe Boot geschmissen mit müllenden Isarrowdys und lärmenden Ghettoblaster-Gummibootfahrern fühlen sich zum Beispiel die Kanuten. Naturburschen und Umweltgenießer seien sie. Mit wettergegerbten Gesichtern, daheim auf den Strömen dieser Welt. Solche wie sie landen auf keiner Vogelinsel zur Brutzeit an und machen kein illegales Feuer.
„Eine Pseudoverordnung“, nennt darum auch Stefan Schmidt, Ressortleiter Umwelt & Gewässer des Bayerischen Kanu-Verbands (BKV), den Plan des Landratsamts, „die die ursächlichen Probleme für den Naturraum Isarauen nicht anspricht“. Für den Schutz der Isarauen wäre es laut der Kanuten „deutlich wirkungsvoller“, wenn die Behörden „das gemeinsame, ehrenamtliche Engagement von Naturschutzverbänden und Kanuverband zur verbesserten Information und Sensibilisierung aktiv unterstützen“ würden. Und außerdem natürlich „endlich einmal konsequent“ gegen die doch eher wenigen „Unbelehrbaren“, die Vergnügungssüchtigen am Land wie auf dem Wasser vorgehen würden. „Individuellem Fehlverhalten“ auf der „Partymeile“ Isarauen hätte man „schon auf Grundlage der bestehenden Regelungen“ seit Jahren stärker entgegentreten können.“
Freud und Leid bringt auch die Feierei am Ufer. Eine unschöne Folge sind die Müllberge. Das stört nicht nur Thomas Wachter. Die Lieblingsstelle des 58-Jährigen ist in der Nähe der Großhesseloher Brücke. Dort zeigt er auf die Partyreste, die Flaschenscherben. „Ich war schon drei Mal in der Sana-Klinik in der Notaufnahme in den letzten Jahren“, erzählt er. Früher war das mal sein absoluter Lieblingsbadeort. Unter der Woche geht’s heute ja auch noch. „Aber am Wochenende steht ja drüben in Buchenhain schon ein Boot nach dem anderen“ mault er. Seit den 80ern sei das hier „allmählich alles eskaliert …“
Hier an der Grosshesseloher Brücke, da hat er einen Großteil seiner Jugend verbracht. „Alles easy“ war das da beim FKK-Bereich. Und heute? Party ist ja okay für ihn, „aber totale Party? Bierzelt-Dimensionen? Muss da gleich die ganze Isar darunter leiden?“ fragt er. Die Natur, die Vögel? Die Anwohner? Die Ruhe? „Gott und die Welt“ kommen hierher – mit Bierkästen, nur Feiern im Sinn, mit lauter Musik. In der Hand Bier und Handy zum Selfie-Schießen.
Umstritten ist auch das Mountainbiken in den Isartrails. Beim Gedanken daran haben viele Münchner und vor allem Gäste glänzende Augen. Anderen wiederum kommen fast die Tränen – weil die Masse an Pedalhelden weniger sportlich ambitionierten Isar-Fans und vor allem der Natur manchmal das Leben zur Hölle machen. Besonderer Brennpunkt: der Flussabschnitt zwischen dem Tierpark Hellabrunn und den Vororten Grünwald und Pullach. Wenn Naherholer wie Tobi Weiss und sein Hund Bert hier spazieren gehen, müssen sie an lauen Sommerabenden fast schon fürchten, über den Haufen geradelt zu werden. Der 44-jährige Zahntechniker liebt den Fluss aber dennoch – vor allem an Tagen, an denen etwas weniger los ist: „Tolle Natur – und das mitten in der Stadt. Die Isar ist für Bert und mich das schönste Freibad.“