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Ballermann am Isarufer

von Redaktion

von hüseyin ince

Alexander Osteroth (69) ist eigentlich ein gelassener Mann. Der frühere Schauspieler und heutige Soziologe liebt es, mitten in München zu leben. Seit mehr als 30 Jahren wohnt er schon an der Steinsdorfstraße an der Isar. Er liebt seine lebendige, bunte Hausgemeinschaft, vom persischen Friseur bis zum brasilianischen Choreographen.

Diese Hausgemeinschaft hat nun einen Brief geschrieben, den Osteroth am Dienstagabend an den Bezirksausschuss (BA) Altstadt-Lehel überreicht hat. Titel: „Ballermann am Isarufer.“ Es geht darin um Lärm, Schmutz und enorme Einschränkungen im alltäglichen Leben. Anwohner klagen über den Kulturstrand und das Isarinselfest. „Mit Kultur hat das alles nichts mehr zu tun, wenn zu Hause das Geschirr auf dem Tisch scheppert, weil der Bass so wummert“, sagt Osteroth.

Die Anwohner möchten nicht falsch verstanden werden: „Natürlich muss eine Innenstadt lebendig sein, voller junger Leute und auch mit Musik. Aber dieses Jahr wurden einfach zu viele Grenzen überschritten.“ Im Brief ist die Rede von „rechtsfreien Räumen“, die die Stadt offensichtlich dulde. Regelmäßiges Gejohle, Randale, in den Hauseingang urinierende Betrunkene, die sich manchmal übergeben, Glasscherben auf den Straßen – und Schlaflosigkeit durch Lärm nach 24 Uhr. „Es geht hier nicht nur um ältere Leute wie mich, sondern auch um junge Familien, deren Kinder Schlaf brauchen“, sagt Osteroth. Jeder, der die Gelegenheit habe, ziehe daher während der beiden Veranstaltungen in eine andere Wohnung. „Aber das kann doch nicht die Lösung sein. Warum binden die Veranstalter nicht die Anwohner mit ein, wie bei anderen Festen, wie in der Hans-Sachs-Straße?“, fragt sich Osteroth.

Der Kulturstrand wurde heuer am Vater-Rhein-Brunnen von den „Urbanauten“ veranstaltet (11. Mai bis 11. August). Urbanauten-Chef Benjamin David kann die Beschwerden nicht ganz nachvollziehen, aber „wir nehmen das natürlich ernst. Wir von den Urbanauten sind jederzeit bereit, uns mit den Anwohnern zusammenzusetzen und Lösungen zu finden.“

Für die empfundene Lautstärke und das wachsende Publikum sieht David nicht den Kulturstrand verantwortlich: „Wir haben die selben Musikanlagen wie in den Jahren zuvor und arbeiten mit technischen Lautstärkereglern. Die kann man nicht umgehen. Ihre Lautstärkewerte sind mit dem Umweltreferat abgestimmt.“ Bezüglich der Menschenmassen sagt David: „Es war ein heißer Sommer mit vielen Sonnentagen. Da waren deutlich mehr Menschen an der Isar. Einige Gruppen haben auch ihre eigenen Musikanlagen dabei. Da kann es sein, dass das mit Lärm vom Kulturstrand verwechselt wird.“

Eine Sprecherin des dreitägigen Isarinselfestes Ende August ist ebenfalls erstaunt. „Das Wetter war so verregnet, dass wir etwa ein Zehntel der sonst üblichen Besucher hatten. Aber wir nehmen das ernst und sind selbstverständlich gesprächsbereit. Urinierende und kotzende Menschen im Hauseingang sind natürlich ein Unding.“

Der BA zeigte sich betroffen. Das Gremium wird eventuell einen Runden Tisch organisieren. BA-Chef Wolfgang Neumer wünscht sich eine stärkere Kontrolle bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Isarinselfest: „Es wäre schön, wenn das Kreisverwaltungsreferat solche Feste vor Ort überwachen würde, wie es in anderen Städten auch üblich ist.“

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