426 000 euro aus WC-anlage verschwunden

Krummes Geschäft mit dem Geschäft

von Redaktion

von stefanie wegele

Regungslos sitzt der 63-jährige schlanke Mann mit dem grau melierten Vollbart auf der Anklagebank. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von April 2013 bis September 2017 etwa 250 Mal Geld aus dem Münzautomaten entwendet und auf sein eigenes Konto eingezahlt oder im Spind versteckt zu haben. Mitangeklagt ist seine Ex-Lebensgefährtin Jadranka J., die für dieselbe Firma arbeitete und ihm geholfen haben soll, indem sie ihm einen Schlüssel für die Geldkassetten in den Automaten gab. Aufgeflogen ist das Geschäft im Herbst 2017. Die Betreiberfirma bemerkte Unregelmäßigkeiten und soll einen Detektiv eingeschaltet haben.

Der 63-Jährige äußerte sich zum Prozessauftakt nicht zu den Vorwürfen. Ganz anders seine Lebensgefährtin, die mehr als eine Stunde lang bereitwillig Auskunft gab. Zu Beginn erklärte ihre Verteidigerin, die 57-Jährige bestreite jegliche Beteiligung. Die Objektleiterin für die WC-Anlage will nichts davon gewusst haben, was ihr Freund gemacht haben soll. Die bosnische Reinigungskraft gab an, dass sie Zugang zu den Schlüsseln für Automat und Geldkassette hatte, und erklärte, wie die Geldentnahme abläuft. „Die Geldkassetten haben wir in einem kleinen Raum in der WC-Anlage an Gleis 11 erst in einen Eimer entleert und dann in Sicherheitssäcke verpackt.“ Da es keine Ersatz-Geldkassette gab, habe diese sofort wieder eingesetzt werden müssen. Da die 57-Jährige Rückenprobleme gehabt habe, habe der Angeklagte ihr geholfen und die schweren Säcke in ihr Büro auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs an Gleis 26 gebracht. Dort habe sie das Geld im Safe eingeschlossen. Aus diesem Grund habe sie ihm jeweils kurzzeitig den Schlüssel überlassen. Dies habe sie auch der Betreiberfirma gemeldet. Dass sie ihm „entgegen betrieblicher Weisung“, wie die Anklage lautet, den Schlüssel gegeben habe, sei somit nicht richtig. Die Höhe der Summe könne sie sich nicht erklären. Etwa 800 Leute nutzen pro Tag die Anlage und zahlen einen Euro. Ebenso wisse sie nicht, was Stjepan K. mit dem Geld gemacht hat. Sie habe nur den Kauf eines Lexus mitbekommen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

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