Sicherheit auf dem oktoberfest

Neuer Zaun, neue Strategien

von Redaktion

VON johannes heininger

Ab kommenden Samstag strömen täglich wieder hunderttausende Menschen über die Theresienwiese. So mancher Wiesn-Wirt rechnet nach zwei eher ruhigen Jahren mit einem gewaltigen Anstieg der Besucherzahlen auf dem Oktoberfest. Ein Grund dafür dürfte sicher sein, dass sich die Gäste wieder sicher fühlen.

Das soll auch so bleiben, verkündet die Polizei selbstbewusst. „Wir haben in diesem Jahr wieder alles daran- gesetzt, die Theresienwiese für die kommenden 16 Tage zum sichersten Ort in der ganzen Stadt zu machen“, sagte Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins am Mittwoch. Ein Versprechen, das eine Behörde der Bevölkerung nicht ohne Weiteres gibt. Einsatzleiter und Polizeivizepräsident Werner Feiler ergänzte: „Zwar ist die abstrakte Gefahr seit den Terroranschlägen von Nizza und Berlin nach wie vor hoch, derzeit gibt es aber keine konkreten Hinweise auf eine Gefahrenlage.“

Um solchen Gefahren vorzubeugen oder im Ernstfall reagieren zu können, ist die Münchner Polizei mit etwa 600 Beamten auf dem Gelände und in den Bereichen um die Wiesn im Einsatz. Darunter befinden sich auch Zivilpolizisten, Taschendiebfahnder und sogenannte Super-Recogniser. Das sind Polizisten mit der speziellen Fähigkeit, sich besonders gut Gesichter einprägen zu können. In einem Feldversuch sollen sie im Volksfesttrubel eventuell gesuchte Straftäter ausfindig machen. Diese Begabung besitzt laut Polizei nur ein Prozent der Bevölkerung.

Auch technische Hilfsmittel machen das Oktoberfest sicherer. Insgesamt 47 Videokameras überwachen das Gelände – das sind zehn Geräte mehr als noch im Vorjahr. 20 Polizisten werden zudem mit einer Bodycam, einer Kamera, die an der Uniform befestigt ist, auf Streife gehen. Die Kameras sollen vor allem präventiv und deeskalierend wirken, heißt es. Im Ernstfall, sollte es beispielsweise zu körperlichen Auseinandersetzungen oder Angriffen auf Polizisten kommen, können die Aufnahmen später vor Gericht als Beweismittel dienen. Die Hügel entlang der Bavaria sollen darüber hinaus noch besser ausgeleuchtet und überwacht werden – vor allem, um Vergewaltigungen zu verhindern.

Bei der Stadt als Veranstalter hat die Polizei bislang 41 Betretungsverbote beantragt. Diese richten sich gegen Personen, die es aufgrund ihrer kriminellen Vergangenheit erst gar nicht auf das Wiesngelände schaffen sollen. Unter diesen unerwünschten Gästen sind laut Polizei hauptsächlich Schläger und Taschendiebe. Aber auch ein Mann, der sich wegen eines Sexualdelikts strafbar gemacht hat, steht auf der Liste. Diese Menschen fallen idealerweise schon bei der Kontrolle am Zaun auf.

Apropos: Der vor zwei Jahren als segensreich angepriesene Sicherheitszaun kommt heuer bereits nicht mehr zum Einsatz. Alleine das jährliche Aufstellen der Barriere verursache zu hohe Kosten, heißt es aus dem Rathaus. Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle (SPD) erklärte am Mittwoch, man wolle den Zaun nun bestenfalls verkaufen. Dafür wird ein herkömmlicher Bauzaun aufgestellt. Aber auch dieser verfügt bei einer eventuellen Massenpanik über Notausgänge.

Der Kommunale Außendienst (KAD), der aus uniformierten Beamten der Stadt besteht, ist heuer im Bahnhofsviertel erstmals mit 80 Kräften unterwegs. Der KAD soll beratend und beruhigend auf die Gäste einwirken. Damit auch die Wiesn 2018 wieder friedlich wird.

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