Das Jahr 2022 ist ein markantes Datum für München: Ein halbes Jahrhundert liegt es dann zurück, dass die Landeshauptstadt die Olympischen Spiele ausrichtete. Dieses Jubiläum soll entsprechend im Park gefeiert werden. Eines ist also klar: Die Sanierung dürfte erst nach Abschluss der Feierlichkeiten erfolgen, demzufolge frühestens im Herbst 2022. Bis Frühjahr 2024 würde das Olympiastadion dann komplett geschlossen bleiben, die restlichen Baumaßnahmen sollen bis 2026 im laufenden Betrieb erfolgen. Das geht aus einer Vorlage hervor, mit der sich der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft am Dienstag befassen wird. Es handelt sich um einen Kompromissvorschlag. „Es hat von Anfang an unterschiedliche Vorstellungen gegeben“, sagt SPD-Chef Alexander Reissl. „Der Kompromiss sieht nun so aus, dass man eine möglichst lange Bauzeit ermöglicht, ohne dass man die Kunden des Olympiaparks vergrault. Damit können wir leben.“
Zwar wäre die Modernisierung auch komplett im laufenden Betrieb möglich, aber diese Variante würde einen Zeitraum von sechs bis sieben Jahren beanspruchen und wäre auch wesentlich teurer. Eine Sanierung mit noch längerer Komplettschließung als die vorgesehenen 20 Monate wäre am günstigsten. Aktuell liegt die Kostenschätzung bei 108 Millionen Euro, 2015 waren es noch 76 Millionen, zwischenzeitlich war sogar von knapp 180 Millionen Euro die Rede, allerdings hat die Verwaltung die Pläne deutlich abgespeckt. „Wir waren am Anfang schockiert, als wir von der Kostensteigerung gehört haben“, sagt Grünen-Stadträtin Jutta Koller. „Aber die Variante jetzt ist tragbar.“ Die Olympiapark München GmbH (OMG) hat der Kompromisslösung mit einer 20-monatigen Schließung bereits zugestimmt. Geschäftsführerin Marion Schöne sieht nun den Stadtrat in der Pflicht nachzuziehen. „Wir wären sehr froh, wenn das Konzept am Dienstag beschlossen würde.“ Koller: „Wenn wir es intelligent anstellen, wäre nur eine Konzertsaison betroffen.“
In dem Fall kalkuliert die OMG mit einem Einnahmenausfall in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro. „Das war das beste, was wir rausholen konnten“, sagt CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Dass saniert werden muss, sei schließlich unstrittig.
Denn bei der in die Jahre gekommenen Arena hakt es vor allem am Brandschutz und den betriebstechnischen Einrichtungen in den Katakomben wie Heizung und Sanitär. „Man muss immer ein bisschen die Luft anhalten, dass nicht die ein oder andere Technik ausfällt“, sagt Geschäftsführerin Marion Schöne. Auch der Austausch der Plexiglasplatten im Zeltdach – etwa 80 Millionen teuer – ist langfristig vorgesehen, soll aber erst nach der Stadionsanierung erfolgen.
Der jetzige Standard des altehrwürdigen Olympiastadions würde im Übrigen offenbar ausreichen, um eine Leichtathletik-Europameisterschaft im Sommer 2022 ausrichten zu können. „Wir sind zuversichtlich“, sagt OMG-Sprecher Tobias Kohler. Die CSU-Fraktion im Stadtrat hatte dies unlängst beantragt. Eine derartige sportliche Großveranstaltung würde sich bestens in den Reigen der Jubiläumsfeierlichkeiten fügen. Von 2023 an soll dann auch die Sanierung des Olympiaturms erfolgen.