München baut und baut – aber es reicht nicht aus, um die ungebrochene Nachfrage zu bedienen. Dies kam am Mittwoch im Stadtrat bei einer Debatte zum Wohnungsbau klar zum Ausdruck. 8272 fertiggestellte Wohnungen im Jahr 2017 bedeuten zwar eine neue Rekordzahl, aber der Bedarf ist angesichts des Zuzugs größer.
Dennoch wurde fraktionsübergreifend ein positives Fazit gezogen. Vor allem die Vertreter von SPD und CSU betonten: „Die Stadt packt an beim Wohnungsbau.“ Die Fördermittel beliefen sich 2017 auf 413,5 Millionen Euro. Etwa 1600 Wohnungen im Vorjahr wurden von der Stadt, Genossenschaften oder Baugemeinschaften erstellt. Das heißt: Rund 80 Prozent der knapp 8300 neu geschaffenen Wohnungen gingen auf das Konto privater Bauträger. FDP-Fraktionschef Michael Mattar merkte an, die Investitionsbereitschaft Privater müsse weiterhin hoch gehalten werden. Paul Bickelbacher von den Grünen bezeichnete das Neubauvolumen als „beachtlich“. Problem sei aber, dass der Anteil preiswerter Wohnungen zu gering sei. „Hier muss aus Berlin mehr Hilfe kommen.“ Nach Dafürhalten der SPD-Stadtratsfraktion müsste sich auch der Freistaat stärker engagieren.
Den Stadträten war freilich bewusst, dass bei Nachverdichtung weiterhin mit Widerstand aus der Bevölkerung zu rechnen ist. Christian Müller, wohnungspolitischer Sprecher der SPD, stellte dennoch klar: „Wir brauchen eine gute, sinnvolle Nachverdichtung.“ Müller erinnerte daran, dass es in München mittlerweile 10 000 Wohnungslose gibt.
Brigitte Wolf (Linke) kritisierte, dass das Programm „Wohnen für alle“ nur schleppend vorangeht. Der Stadtrat hatte 2016 beschlossen, dass für Menschen mit geringem Einkommen, Auszubildende und anerkannte Flüchtlinge binnen vier Jahren 3000 Wohnungen in einem Sonderprogramm geschaffen werden, jeweils 50 Prozent von den städtischen Gesellschaften GWG und Gewofag und der Privatwirtschaft. Doch bisher ist es so gut wie gar nicht gelungen, die Privatwirtschaft einzubinden. Die Folge: Erst 791 Wohneinheiten wurden erstellt, nahezu alle von der Stadt. Nur ein privater Investor engagierte sich an der Gärtner-/Dürrstraße, wo 141 Wohnungen entstanden. Wolf würde sich wünschen, dass die Stadt den Anteil der Privaten übernimmt. Laut Planungsreferat ist dies aber nicht so einfach, weil es an geeigneten Grundstücken mangelt. klaus vick