Die Lobby der Umwelt erhebt ihre Stimme

von Redaktion

10 000 Demonstranten wurden erwartet, am Ende füllten weit mehr Menschen den Königsplatz. 86 Organisationen hatten am Samstag unter dem Motto „Mia ham’s satt“ dazu aufgerufen, für Klimaschutz, ökologische Landwirtschaft, Artenvielfalt und saubere Luft einzustehen. Die Demonstration verlief friedlich.

VON ANNABELL PAZUR

Chris Methmann von compact! steht auf der Bühne und blinzelt in die Sonne. Das hätte er so nicht erwartet. Vor ihm auf dem Königsplatz breitet sich ein Meer aus Fahnen und Bannern aus, Demonstranten in bunten selbst gebastelten Kostümen blicken erwartungsvoll zu ihm auf. Mittendrin der eine oder andere Sensenmann und ein Traktor mit aufgerissenem Beton-Maul. Die Stimmung ist ausgelassen, erinnert an ein buntes Festival. 10 000 Demonstranten wurden am Samstag erwartet, am Ende füllten laut Polizei 15 000, laut Organisatoren 18 000 den Königsplatz.

Wahlkampf und die derzeitige Landesregierung sind große Themen an diesem Samstag: Heile Welt Bayern? Weit gefehlt. Die Liste der Demonstranten ist lang, und sie sind unzufrieden: Sie sind gegen Artensterben, Massentierhaltung und Agrarindustrie; sie wollen saubere Luft und lebenswerte Städte, ohne Flächenfraß, Startbahn- Größenwahn und Straßenbauorgien. Ein guter Nahverkehr soll her. Sie wollen ökologische Landwirtschaft. Manche Spruchbanner richten sich auch direkt gegen die CSU. „Das Postkartenidyll Bayerns gibt es schon lange nicht mehr“, sagt Norbert Schäffer vom Landesbund für Vogelschutz, „nur das sieht man halt leider nicht aus den verdunkelten Scheiben einer Limousine“. Der „stumme Frühling“ sei Realität geworden, in den vergangenen 40 Jahren sei die Hälfte der biologischen Vielfalt verloren gegangen. Auch Moritz Angstwurm von BUNDjugend spricht sich gegen die Politik des Wegsehens aus. „Unsere Kinder kennen irgendwann nur noch betonierte Landschaft, sie wachsen nicht mehr zwischen Stock und Stein auf, sondern zwischen Lidl und Aldi.“

86 Vereine und Verbände hatten zu der Großdemonstration aufgerufen, darunter unter anderem der BUND Naturschutz, der Deutsche Tierschutzbund und das Aktionsbündnis artgerechtes München. Auch Musiker unterstützten den Protest, unter ihnen Hundling, dicht&ergreifend sowie Hans Well und die Wellbappn.

Am Ende taucht immer wieder ein Thema auf: der Hambacher Forst. Vom Mahnmal des Klimawandels ist das umkämpfte Waldstück zur Ikone des Widerstandes geworden. Für viele Demonstranten ein Zeichen, dass Gehör findet, wer seine Stimme erhebt. Das meint auch Chris Methmann: „Der Wahlkampf wird vielleicht vorübergehen, doch die Bewegung bleibt.“

Artikel 4 von 8