Wiesn: Viele Gäste,   wenig Stress

von Redaktion

Es war nicht nur wetterbedingt ein schönes Oktoberfest: Mit 6,3 Millionen Besuchern kamen auf die einzelnen Tage gerechnet mehr Gäste als bei der zwei Tage längeren Wiesn 2017. Trotzdem blieb es gemütlich und friedlich, wie auch Polizei und Sanitäter bestätigen. Einzig tragisch: Ein Mann starb nach einem Faustschlag vor dem Augustinerzelt an einer Gehirnblutung.

VON RAMONA WEISE

Ein Prosit der Gemütlichkeit: Was sich jeden Tag tausende Besucher wünschten, traf auch auf das letzte Wiesn-Wochenende 2018 zu. Die Schlussbilanz: Mit von der Stadt geschätzten 6,3 Millionen Besuchern in 16 Tagen kamen auf die einzelnen Tage gerechnet deutlich mehr Besucher als bei der zwei Tage längeren Wiesn im Vorjahr (6,2 Millionen Gäste). Das seit einigen Jahren anhaltende Tal scheint überwunden, trotzdem blieb es entspannt, wie Wiesn-Chef und zweiter Bürgermeister Josef Schmid (49, CSU) betonte: „Es war eine gemütliche Atmosphäre bei einem Traumwetter.“

Mehr Familien

Bei fast täglichem Sonnenschein hätten auch Senioren und Familien wieder Lust auf die Wiesn gehabt, so Schmid. Davon profitierte bei den Festwirten besonders der Essensverkauf mit einem Plus von zehn Prozent. Der Bierverbrauch veränderte sich im Vergleich zum Vorjahr mit 7,5 Millionen getrunkenen Massen nicht. Jedoch gab es bei den alkoholfreien Getränken ein Plus von zehn Prozent – was ebenfalls auf mehr Familien hinweist. Wirtesprecher Peter Inselkammer (Armbrustschützenzelt) sagt: „Es war gut was los, aber es war nicht übervoll. So kann es weitergehen. Wir jagen nicht Rekorden hinterher.“ An den Kassenschaltern der Oidn Wiesn bildeten sich besonders an den Wochenenden Schlangen, sie hat sich nach einem schwächeren Jahr 2017 erholt. So kamen mit einer halben Million zahlender Besucher 20 000 mehr als im Vorjahr, obwohl die Wiesn ja 2017 zwei Tage länger dauerte.

Schausteller zufrieden

Die Schausteller wiederum profitierten vor allem vom guten Wetter, wie Sprecherin Yvonne Heckl erklärt. „Die Leute hatten Lust, rauszugehen und haben ihre Lebensfreude wiederentdeckt.“ Besonders die Familien-Fahrgeschäfte seien gut gelaufen.

Weniger Straftaten

Von einer „ruhigen und im Wesentlichen friedlichen Wiesn“ spricht die Polizei. Insgesamt seien bis Sonntagmorgen bei etwa so vielen Einsätzen wie im Vorjahr 924 Straftaten (2017: 1014) erfasst worden, so Sprecher Marcus da Gloria Martins. Ein Rückgang um 8,9 Prozent. Tragisch: Am ersten Freitag gab es einen Toten auf der Wiesn, der 58-Jährige starb nach einem Faustschlag an einer Gehirnblutung. Die meisten Delikte lagen mit 256 Taten (2017: 254) im Bereich der Körperverletzung. Erfreulicherweise setzten aggressive Besucher seltener einen Masskrug als Tatwaffe ein, hier stehen 27 Fälle aus diesem Jahr 36 aus dem Vorjahr gegenüber.

Bei den Taschendiebstählen gab es einen deutlichen Rückgang von 13,4 Prozent, Gründe könnten das Taschen- und Rucksackverbot und die starke Präsenz der Polizei sein, so da Gloria Martins. Dafür gehe der Trend eher zum Diebstahl von und aus Jacken. 42 Sexualdelikte, darunter vier Vergewaltigungen, wurden angezeigt. Ein erheblicher Rückgang um 32,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (62 Anzeigen). Und das, obwohl das Sexualstrafrecht verschärft wurde. Das habe aber auch zu einer Sensibilisierung der Bevölkerung geführt, so der Polizei-sprecher. Sorgen macht ihm die nach wie vor hohe Aggression einiger Besucher gegenüber Polizisten. 15 Beamte wurden bei ihren Einsätzen verletzt, 2017 waren es acht. Die Beamten seien teilweise nach den Attacken nicht mehr dienstfähig gewesen, so da Gloria Martins.

Neue Sanis: Guter Start

5796 Patienten haben die neuen Sanitäter der Aicher Ambulanz Union versorgt. Sie hatten erstmals das Rote Kreuz abgelöst. Das Unternehmen sei mit der Premiere sehr zufrieden, so Sprecherin Ulrike Krivec. Auch zu einigen witzigen Einsätzen kam es. So wollte eine angeheiterte Italienerin die Sanitätsstation gar nicht mehr verlassen. Die 21-Jährige klebte sich kurzerhand selbst mit Klebeband an eine der Tragen.

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