„Bud hätte sich über diesen Chor gefreut“

von Redaktion

„Vier Fäuste für ein Halleluja“, „Zwei wie Pech und Schwefel“ und ein Schwimmbad: Bud Spencer hatte schon zu Lebzeiten Kultstatus. Der Bud-Spenzer-Heart-Chor in München widmet sich ganz der Musik seiner Filme. Diese Spezialität macht sich bei Proben und der Mitgliedersuche bemerkbar.

VON MARCO KREFTING

In der ersten Reihe des Chors steht ein Mann, der genauso gut auf einem Heavy-Metal-Festival headbangen könnte. Ein paar Plätze weiter wippt eine junge Frau zu den Gitarrenklängen – mit einer Flasche Bier in der Hand. Dass hier kein Kirchenchor probt, wird auf den ersten Blick deutlich. Der Text: „Lalalala-La-La, Lalalala-La-La, Lalalala-La-Laa-Laa-Lalala-La-La“.

Es ist das Stück des Feuerwehrchors aus dem Film „Zwei wie Pech und Schwefel“, bei dem Bud Spencer höchstpersönlich mitschmettert. Mehrere Dutzend Sänger und Sängerinnen in München haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihr Repertoire ausschließlich aus Filmen von Spencer und seinem Kompagnon Terence Hill – oder einem von beiden – zu bestücken. Der Bud-Spenzer-Heart-Chor ist längst kein kleiner Kneipenchor mehr, auch wenn er sich meistens in einer Kneipe zur Probe trifft. Inzwischen gilt ein Aufnahmestopp für neue Mitglieder – zu viele wollen mitsingen.

Dass im Chornamen Spencer mit Z geschrieben wird, hat laut Chorleiter Dominik Schauer vor allem mit Abgrenzung zu tun. Mit Spencers Manager habe er wegen markenrechtlicher Bedenken gesprochen: „Der hat gesagt, Bud hätte sich sicher gefreut, dass es so einen Chor gibt.“

Das ungleiche Schauspieler-Paar Spencer/Hill prägte über Jahrzehnte mit Filmen wie „Vier Fäuste für ein Halleluja“ das Genre des Italo-Westerns: Ohrfeigen ersetzten Revolverschüsse, richtig blutig wurde es aber nie. Während Hill mit 79 Jahren nach wie vor durch die Weltgeschichte tourt, zuletzt diesen Sommer in seiner deutschen Heimat, starb Spencer 2016 im Alter von 86 Jahren.

Dass der schon zu Lebzeiten Kultstatus erreicht hatte, bezeugt nicht nur ein nach ihm benanntes Freibad in Schwäbisch Gmünd. Spencer habe in Deutschland etwa vier Millionen Fans, schätzt Michael Maaß von der Spencerhill Event GmbH, die alljährlich ein Fantreffen organisiert. „Im Vergleich zu anderen Ländern die größte und treueste Fangemeinde.“

Los ging es mit dem Chor, als ein befreundetes Ehepaar namens Hill seinen Sohn Terence Anfang 2017 taufen lassen wollte. „Da hab’ ich meinen Erstkontakt gehabt“, sagt Schauer. Die eingefleischten Fans der Spencer-Filme hätten den Namen für ihr Kind absichtlich so gewählt und sich zur Taufe musikalisch die Klassiker gewünscht. Der Musikpädagoge und Konzertpianist Schauer erzählte davon im Freundeskreis – und weckte so Interesse an einem Chor.

Rund 30 Stücke haben die Sänger schon drauf. „Die Lieder eint eine unverblümte und sehr charmante Schlagerhaftigkeit“, findet Schauer. „Wer sie hört, weiß, wie die Geschichte geht.“ In der Regel machen die Stücke gute Laune, das merkt man der Probe an. Wichtig sei ihm aber bei allem Erfolg, dass der Chor locker und geerdet bleibe.

Dennoch fordert er die Musiker bei der Probe wie ein strenger Lehrer, bricht bei Fehlern ab, mahnt Lautstärke an, verlangt ein Lächeln, legt Wert auf genaue Aussprache und lässt mehrmals den Abgang von der Bühne üben. „Wir halten uns ans Original-Arrangement“, sagt Schauer. Die spezielle Ausrichtung des Chors machte sich zudem bei der Mitgliedersuche bemerkbar: „Anderen Chören fehlen oft Männerstimmen. Das Problem haben wir nicht.“

Den wohl größten Ritterschlag bekam der Chor am 5. Oktober: Guido und Maurizio De Angelis alias Oliver Onions, die die Musik für zig Spencer-Hill-Filme geschrieben haben, luden die Münchner zu einem Konzert nach Berlin ein. Sie standen mit ihren „Legenden“ auf der Bühne – und sangen natürlich den Feuerwehrchor.

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