Der unbeugsame Professor

von Redaktion

Vor 125 Jahren wurde Kurt Huber geboren, als Mitglied der „Weißen Rose“ kämpfte er gegen das NS-Regime

Seine Vorlesungen waren beliebt unter den Münchner Studenten. Wenn Professor Kurt Huber über „Leibniz und seine Zeit“ lehrte, platzte das Auditorium aus allen Nähten. Auch eine gewisse Sophie Scholl war begeistert. Ihr war nicht entgangen, dass Hubers Ausführungen über die staatsbürgerliche Verantwortung der Intellektuellen weit mehr waren als philosophische Gedankenspiele. Zudem scheute sich der Professor nicht, verbotene jüdische Denker zu zitieren. Das imponierte ihr.

Seinen Nachruhm verdankt Huber denn auch nicht in erster Linie seiner wissenschaftlichen Arbeit. Er ging als Mitglied der „Weißen Rose“ in die Geschichte ein, jener Widerstandgruppe rund um die Geschwister Hans und Sophie Scholl, der er sich 1943 anschloss. Am 24. Oktober 1893, vor 125 Jahren, wurde Huber geboren.

Zunächst freilich war der Professor skeptisch, was die Aktivitäten der jungen Widerständler betraf. Zwar teilte er das Anliegen ihrer regimekritischen Flugblätter. Doch schien ihm die Gefährdung der Verfasser im Verhältnis zum Ergebnis zu hoch. Aber Huber änderte seine Meinung. Von der Front heimgekehrte Studenten berichteten ihm von Massenmorden in Polen und der Sowjetunion. Er ließ sich überzeugen, dass man die Deutschen aufrütteln musste. So redigierte er das fünfte Flugblatt der „Weißen Rose“. Nach der Katastrophe von Stalingrad schrieb er selbst das sechste und letzte. „Der deutsche Name bleibt für immer geschändet, wenn nicht die deutsche Jugend endlich aufsteht, rächt und sühnt zugleich, ihre Peiniger zerschmettert und ein neues geistiges Europa aufrichtet“, heißt es darin.

Über den Schluss des Flugblatts aber gab es Streit. Huber wollte die Jugend auffordern, sich der „herrlichen Wehrmacht“ zu unterstellen, von der er hoffte, dass sie sich nach Stalingrad gegen Hitler wenden würde. Die Studenten, die selbst Fronterfahrung besaßen, lehnten das vehement ab. Sie hatten hautnah erfahren, dass die Armee längst zu einer Stütze des Regimes geworden war.

Für Huber war das unvorstellbar. Im schweizerischen Chur geboren, wuchs er in Stuttgart und München in einer kunstbeflissenen Familie auf. Zu seiner bürgerlich-konservativen Prägung gehörte das Vertrauen in die soldatischen Tugenden ebenso selbstverständlich wie der katholische Glaube, der ihn seit seiner Kindheit prägte. Der Glaube war es auch, der ihn schon früh am kirchenfeindlich agierenden NS-Regime zweifeln ließ.

Zu diesem Zeitpunkt war Huber längst ein arrivierter Wissenschaftler. In Musikwissenschaft promoviert, in Psychologie habilitiert, wandte er sich mehr und mehr der Philosophie zu. Seit 1926 führte er den Titel eines außerordentlichen Professors. Eine ordentliche Professur schien nur eine Frage der Zeit – doch die Nazis wussten das zu verhindern.

Kurzzeitig wechselte Huber nach Berlin, wo er ein Volksmusikarchiv aufbaute. Mit der akademischen Karriere aber wurde es nichts, da er sich weigerte, für den NS-Studentenbund Kampflieder zu komponieren. Huber kehrte nach München zurück, wo er sich 1940 doch noch entschloss, in die NSDAP einzutreten – und prompt als außerordentlicher Professor verbeamtet wurde.

Sein Vermächtnis ist die Verteidigungsrede, die er vor dem Volksgerichtshof hielt. „Rückkehr zu klaren sittlichen Grundsätzen, zum Rechtsstaat, zum Vertrauen von Mensch zu Mensch; das ist nicht illegal, sondern umgekehrt die Herstellung von Legalität“, hielt er seinen Richtern entgegen. Die „innere Würde des offenen, mutigen Bekenners“ könne ihm kein Hochverratsverfahren rauben. „Mein Handeln und Wollen wird der eherne Gang der Geschichte rechtfertigen, darauf vertraue ich felsenfest.“

Am 13. Juli 1943 wurde Kurt Huber hingerichtet. Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Hadern (Grabnummer 21-W-22).

ANDREAS LASKA (KNA)

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