Zu krumm für Tempokontrollen

von Redaktion

Tempolimits, die nicht überwacht werden, sind in München von fragwürdiger Wirkung – kaum jemand hält sich daran. In der Giesinger Herzogstandstraße ist das ein besonderes Problem: Hier gilt Tempo 30, aber laut Kreisverwaltungsreferat kann nicht geblitzt werden.

VON MARTINA WILLIAMS UND ANDREA STINGLWAGNER

„Hier rasen alle“, beobachtet Marcus Kaiser (42) jeden Morgen, wenn er seine Tochter zur Kita bringt. Sein Weg führt an der Herzogstandstraße in Giesing entlang. Warum hier viele Autofahrer besonders schnell unterwegs sind, kann Kaiser, Grünen-Mitglied im Ortsverband Giesing-Harlaching, leicht erklären: „Es gibt eine Ampel an der Ecke zur Deisenhofener Straße und eine an der Ecke zur Perlacher Straße. Deshalb schießen alle über die Herzogstandstraße, um noch schnell über diese Ampeln zu kommen.“ Der IT-Techniker warnt: „Hier sind Kinder unterwegs, es kann immer was passieren.“ Deshalb stellte Kaiser mit seiner Fraktion im Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten einen Antrag ans KVR, sich zu der Raser-Strecke zu äußern.

Die Antwort der Behörde: In dieser 30er-Zone könne nicht geblitzt werden. Aus „messrechtlicher und messtechnischer Sicht“ könnten mit der „zur Verfügung stehenden Radarmesstechnik keine gerichtsverwertbaren Geschwindigkeitskontrollen vorgenommen werden“, teilte die Kommunale Verkehrsüberwachung (KVÜ) mit. Dafür benötige man nämlich eine gerade Strecke von mindestens 45 Metern sowie zu Beginn und Ende des Bereichs eine zehn bis elf Meter lange Parklücke mit einem Mindestabstand von 200 Metern zum Tempo-30-Schild. Auf der Herzogstandstraße gebe es „keine geeignete Aufstellmöglichkeit für die Messeinheiten“. Stadteinwärts sei die Messstrecke nicht gerade genug, stadtauswärts liege der theoretisch mögliche Messpunkt zu nahe an den Tempo-30-Schildern.

Die Giesinger Grünen wollen das nicht hinnehmen. Die Fraktion hat nun beantragt, dass die Stadt endlich Geräte mit der neuesten Technologie anschafft, die auch in solchen Situationen gerichtsverwertbare Messungen liefern. Denn: „Wenn nicht kontrolliert wird, halten sich die Autofahrer auch nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen.“ Das gelte zum Beispiel auch für die Tempo-30-Zone an der Ichoschule.

Tatsächlich rüste die KVÜ nach und nach auf moderne Lasertechnik um, sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Im Dezember 2017 sei das erste Fahrzeug mit Lasermesstechnik in Betrieb genommen worden. Damit könnten die städtischen Tempowächter auch dort kontrollieren, wo dies „früher technisch nicht möglich war“ – auch in kurvigen Straßen. Ob nun auch Messungen in der Herzogstandstraße möglich sind, ist aber noch ungeklärt. Man wolle dies beizeiten vor Ort prüfen, teilte die Verkehrsüberwachung mit.

Wird es also weiterhin blitzerfreie Straßen in München geben? Die Antwort des KVR fiel vage aus: Dies werde „die Ausnahme“ bleiben. Doch „eine Statistik gibt es nicht“.

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