Dichter Nebel hängt über den Isarufern, es ist Samstag, acht Uhr morgens. Schwere Regentropfen prasseln auf den mit Laub übersäten Boden. Das Grüppchen Fischer am Parkplatz trotzt der Kälte mit dicken Regenjacken. Was die bei dem Wetter aus dem Haus gelockt hat? Fische sind es diesmal nicht, dafür jede Menge Müll. Rund 500 Freiwillige sind zum jährlichen Ramadama der Isarfischer gekommen. Sie wollen das Isarufer von Unrat befreien.
Wie viel Müll sie am Ende gesammelt haben, ist am Sonntag noch unklar. Tatsache ist: Die Flussauen sind sichtlich sauberer. „40 Kilometer Flussufer inklusive Kanal haben wir geschafft“, sagt Pressesprecher Frank Meißner. Seit 57 Jahren veranstalten die Isarfischer ihr Ramadama, dieses Jahr unter dem Motto „Angler gegen Plastik“. Umweltschutz findet bei den Isarfischern aber nicht nur ein Mal im Jahr statt. Meißner fragt: „Kennen Sie den Trend Plogging? Da gehen Leute joggen und sammeln gleichzeitig Müll. So ist das auch bei uns. Geht jemand fischen, pickt er meistens den Müll mit auf.“
Die Isarfischer fühlen sich für den Gewässerschutz verantwortlich, sagt der Vereinsvorsitzende Willi Ruff. „Wer, wenn nicht die Fischer, soll sich denn für saubere Flüsse und Ufer einsetzen?“ Besonders ärgern ihn Menschen, die unverantwortlich ihren Müll liegen lassen. Ruff drückt es in Angler-Sprache aus: „Durch die Aktion soll Schwarm-Intelligenz entstehen: Einer fängt an, sauber zu machen, andere ziehen nach.“
Besonders tragisch hat den Verein dieses Jahr das Fischsterben an der Isar vor wenigen Wochen belastet: Der Wasserpegel war durch das Eingreifen der Stadtwerke gesunken und viele der Jung-Tiere im Trockenen verendet. Ein Rückschlag, nachdem die Isarfischer zuvor die wilden Huchen hatten retten können, betont Meißner.
Am Samstag spielt das aber keine Rolle. Nach drei Stunden kommen die Müll-Sammler zurück. Pitschnass und durchgefroren – aber erfolgreich. Zur Belohnung gibt’s Weißwürst und Bier. Letzteres wird wie jedes Jahr von Giesinger Bräu gesponsert. „Normalerweise haben wir ein eigenes Etikett mit der Aufschrift Reinheitsgebot“, sagt Ruff. Das hat nur diesmal aus Zeitgründen nicht geklappt. Warum Reinheitsgebot? „In ein Bier gehören nur bestimmte Dinge. Das sollte auch für Flüsse wie die Isar gelten.“