„Wir sind Teil des öffentlichen Personennahverkehrs und demnach reglementiert“, sagt Gert Wohlgemuth, Vorstandsmitglied im Taxi-Verband München (TVM). Sicherheit ist einer der wichtigen Grundsätze des Verbandes. Umso schockierter sind die Münchner Taxler über zwei sexuelle Übergriffe, die sich am Wochenende auf zwei junge Frauen (17 und 22) ereignet haben – beide Frauen haben sich nachts nach Hause chauffieren lassen. In einem Fall soll der Fahrer laut dem Opfer in einem beigen Taxi vorgefahren sein.
Dass ein Fahrer aus der gelben Flotte diese schlimme Tat begangen haben könnte, treibt Wohlgemuth und seinen Vorstandskollegen Gregor Beiner um. „Das Taxigewerbe ist ein absolut verlässliches und sicheres Gewerbe. Wir arbeiten tagtäglich sehr hart dafür, unsere hohen Standards zu wahren und sie immer noch weiter zu verbessern“, sagt Beiner. Das gelte nicht nur für die Vorstandschaft, sondern für jeden einzelnen der mehr als 11 000 Fahrer aus 40 Nationen, die in den Verbänden organisiert seien. Wer in München Taxifahrer werden will, muss eine spezielle Taxi-Schule in der Stadt besuchen. Drei Monate dauert die Ausbildung, die neben Stadtkunde und Deeskalationstraining auch medizinische und psychologische Untersuchungen umfasst. Mit jedem Bewerber finde im Vorfeld ein Gespräch statt. „Wir machen uns stets ein umfassendes Bild – Offenheit und Toleranz sind wichtige Eigenschaften.“
Auch auf Transparenz lege man großen Wert – jeder Fahrer sei dank GPS-Ortung jederzeit identifizierbar. „Unsere Fahrzeuge sind elfenbeinfarben, haben ein Taxi-Schild auf dem Dach und die Nummer in der Heckscheibe. Im Taxi befindet sich immer ein Taxameter“, sagt Wohlgemuth. Der Fahrpreis in der Stadt: 1,80 Euro pro Kilometer. Ein fester Preis – ein Kriterium, an das sich zum Frust der Taxler viele „halb-illegale“ Konkurrenten nicht halten. So wie der amerikanische Dienstleister „Uber“. Hier bestimmen Angebot und Nachfrage den Fahrpreis. Unseriöse Anbieter würden Regeln außer Kraft setzen, monieren Wohlgemuth und Beiner. Nur ein Beispiel: die Rückkehrpflicht, die für die Mietwagenunternehmen gilt. Ist die Fahrt beendet, müsste das Fahrzeug zu seinem Stützpunkt zurückkehren, bevor es erneut ausrücken darf. Doch das werde in der Realität häufig nicht gemacht. „Um mehr Fahrgäste abzugreifen“, klagt Beiner.
Die Taxler lassen sich trotz der Herausforderungen nicht unterkriegen – sie werben weiter mit hoher Qualität, bestem Service und Transparenz um die Gunst der Fahrgäste. „Wir hoffen, dass die Vorfälle vom Wochenende keine negativen Auswirkungen auf unsere Branche haben“, sagt Wohlgemuth. Und dass die beiden Täter schnell gefasst werden. Denn erst dann ist endgültig klar, ob einer davon aus den eigenen Reihen stammt oder, wie Wohlgemuth hofft, nicht.