Alle Heimspiele des TSV 1860 München in der Dritten Liga waren heuer mit 15 000 Zuschauern ausverkauft. Die Löwen und das Grünwalder Stadion sind in. Die Begeisterung teilen aber nicht alle. „An Spieltagen herrscht hier Ausnahmezustand“, klagte ein Anwohner bei der diesjährigen Bürgerversammlung in Untergiesing-Harlaching am Donnerstag. Von 10 bis 18 Uhr könne man an Spieltagen weder das Auto noch die Straßenbahn nutzen, da es durch die Fanmassen kein Vorankommen gäbe. „Die Fans sind aggressiv, verrichten vor den Augen der hoch nervösen Polizisten ihre Notdurft – so kann das nicht weitergehen“, sagte er und forderte eine Reduzierung auf 12 500 Besucher – bestenfalls wünscht er sich gar keine Spiele mehr im Stadion am Giesinger Berg.
Dem widersprach Alfred Hauck, Chef der für Giesing zuständigen Polizeiinspektion. Zwar seien Veranstaltungen mit bis zu 15 000 Teilnehmern eine große Herausforderung, doch verliefen diese bisher für die Polizei sehr zufriedenstellend. „Im Vergleich zu anderen Fußballspielen verläuft das hier doch sehr moderat“, findet Hauck. Auch, wenn beim vergangenen Spiel zum Beispiel eine Rauchbombe an einem Haus entzündet wurde – „Ich bin froh, dass es nicht meins war“ (Hauck) –, auf umliegende Grünflächen uriniert wurde und die U-Bahn sich verspätete, da auswärtige Fans drei mal die Notbremse gezogen und einen Feuerlöscher entleert hatten.
Wie kontrovers das Thema im Stadtteil diskutiert wird, zeigte sich auch an diesem Abend deutlich: Brigitte Kliemer, ebenfalls eine Anwohnerin, sagte: „Wenn die Spiele stattfinden, mach ich das Fenster auf, höre den Ansagen zu und schaue mir währenddessen den Live-Ticker an.“ Es sei doch lächerlich, „sich über die paar Spieltage“ zu beschweren. Ein anderer Bürger hingegen findet die Ansagen viel zu laut. „Die Lautsprecher sind statt in Richtung des Stadions zur Straße hin ausgerichtet“, sagte er. So seien die Ansagen mindestens drei mal so laut wie die Fangesänge.
Am Ende des Abends stimmten die Anwesenden über den Antrag des ehemaligen Münchner Bundesliga-Schiedsrichters Franz Hager ab, das Stadion nicht zu erweitern. „Keine Stadionerweiterung. Ich will auch noch meinen 93. Geburtstag erleben“, gab der 92-Jährige an, der übrigens auch Mitglied beim TSV 1860 ist. Die Mehrheit stimmte ihm zu und sprach sie gegen einen Ausbau des Stadions aus.
Dementsprechend wurde der Antrag auf Erweiterung von Hubertus Reich abgelehnt. Dieser hatte argumentiert: „Mit der Aufstockung von 12 500 auf 15 000 Besucher hat man keinen Unterschied bemerkt. Am besten sollte man gleich eine Aufstockung auf 20 000 prüfen.“ Das Stadion ganz abzuschaffen oder wieder auf 12 500 Zuschauer zu reduzieren, lehnte die Versammlung allerdings ebenfalls ab. Die Stadt prüft, welcher Ausbau des Stadions grundsätzlich möglich wäre. Anfang 2019 soll dies dem Stadtrat vorgelegt werden.