Wer hat das rosa Pferd gestohlen?

von Redaktion

Aus einem Büro verschwand ein Kunstwerk von Jonathan Meese

Einen echten Jonathan Meese besitzen – bei diesem Gedanken geht so manchem Kunstkenner das Herz auf. So ging es auch einem Münchner Geschäftsmann, der 51-Jährige kaufte von dem berühmten Berliner Künstler ein kleines Kunstwerk. Das ist jetzt weg, offenbar haben sich Diebe das rosarote Pferd inklusive blonder Reiterin unter den Nagel gerissen. Der Wert: mehr als 10 000 Euro.

Der oder die Kunst-Klauer drangen möglicherweise ganz gezielt in das Büro des 51-jährigen Geschäftsführers an der Brienner Straße in der Maxvorstadt ein. Wie die Ganoven in das Büro gelangten, ist noch völlig unklar. Fest steht aber, dass außer der Skulptur nichts fehlt. Die Diebe vefügten offenbar über einen gewissen Kunstverstand und setzten alles auf das rosarote, kleine Pony. Die Figur des extravaganten Künstlers ist leicht zu verstecken, schließlich ist sie gerade einmal 46 Zentimeter hoch, 39,5 Zentimeter breit und 23 Zentimeter tief. Der Original-Titel des Werks: „Reiterin auf Schaukelpferd“. Die ausführliche Beschreibung liefert Provokateur Meese persönlich: „Rotation sei spitz: Pupsdemokratie ist nicht Hü, nicht hot, also Hui-Buhisiere Dich, wie unter den Fohlen.“ Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt der 48-jährige Jonathan Meese sein Kunstwerk folgendermaßen: „Es ist eine blonde Amazone auf dem trojanischen Pferd. Es ist der Triumphzug der Kunst.“ Zum Diebstahl selbst wollte er sich nicht äußern. Die Pinakothek der Moderne hat dem Künstler Jonathan Meese übrigens gerade eine große Einzelschau gewidmet. „Die Irrfahrten des Meese“ sind noch bis 3. März zu sehen. Zufall? So ungewöhnlich das Pony-Schaukelpferd-Kunstwerk, so extravagant ist auch der Künstler. Der am 23. Januar 1970 in Tokio geborene Sohn einer Deutschen und eines Walisers thematisiert überwiegend Persönlichkeiten der Weltgeschichte und Heldensagen. In Bayreuth sollte er 2016 den Parsifal inszenieren, wurde nach mehrfachen Hitlergrüßen, für die er verklagt wurde, allerdings wieder ausgeladen. In einem Interview mit unserer Zeitung sagte Jonathan Meese kürzlich über seine Hitlergrüße, dass er keine Realität bediene, sondern Kunst. Er stand mehrfach vor Gericht, die Justiz erkannte seine Provokation jedoch als Kunst an und sprach den 48-Jährigen frei.

Jetzt stellt sich die Frage: Wer hat das kleine rosa Pferd mit blonder Reiterin gesehen? Entwendet wurde es in der Zeit von Mittwoch, 26. September, bis Montag, 1. Oktober. Das Polizeipräsidium, Kommissariat 52, nimmt Hinweise unter Telefon 089/29 10-0 entgegen.

STEFANIE WEGELE

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