Die Sucht nach Schlafmitteln

von Redaktion

De nächtliche Kampf um den Schlaf. Für viele Menschen ist er eine große Beeinträchtigung ihres Lebens. Laut einer Studie der DAK leiden rund 34 Millionen Menschen in Deutschland unter Schlafstörungen – mehr als jeder Dritte. Und immer mehr Betroffene greifen zu starken Schlafmitteln. Dr. Clemens Heiser vom Schlaflabor im Klinikum rechts der Isar warnt, denn die Mittel machen schnell abhängig.

VON ARMIN GEIER

Welches Schlafmittel sollte ich nehmen, wenn ich nicht zur Ruhe komme? „Am besten gar keines“, betont Dr. Clemens Heiser. Denn chemische Mittel würden nur kurzfristig für bessere Nächte sorgen. Das eigentliche Problem aber lösen sie nicht. Dennoch zeigen Studien: Der Konsum von Benzodiazepinen (wie Diazepam oder der Angstlöser Tavor) sowie der etwas leichteren sogenannten Z-Mittel (wie Zolpidem) hat in den letzten Jahren um knapp ein Drittel zugenommen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen geht von knapp 1,3 Millionen Deutschen aus, die alleine von Benzodiazepinen abhängig sind.

Kein Fernsehen im Bett

„Alle diese Mittel machen süchtig – sie sollten also nie länger genommen werden“, erklärt Schlafexperte Heiser. Ausgenommen seien nur Personen, die mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen haben. Was also tun, wenn ich kein Auge zubekomme? „Jeder sollte sich zuerst um die Schlafhygiene kümmern, wie wir das nennen“, sagt Heiser. „Das Bett sollte generell nur zum Schlafen genutzt werden.“ Also kein Fernsehen im Bett, kein Essen, kein Lesen. „Wir müssen diesen Ort ausschließlich mit Ruhe assoziieren.“ Außerdem sollte die Raumtemperatur um die 18 Grad betragen. Und es gilt: Kein Sport bis zu drei Stunden vor dem Zubettgehen.

Der Matratzen-Irrtum

Heiser räumt mit dem weit verbreiteten Mythos auf, dass ein bestimmer Matratzen-Typ per se erholsamen Schlaf bringt. „Stimmt nicht“, sagt Heiser. Bei Schlaf-Experten gelte: „Jeder sollte die Matratze kaufen, auf der er sich wohlfühlt. Egal, ob weich oder hart.“ Die Art der Matratze sei medizinisch nur relevant bei Menschen mit orthopädischen Problemen. „Aber sie sorgen nicht per se für einen gesunden Schlaf.“

Der Seiten-Fehler

Auch ob man sich beim Schlafen auf die rechte oder die linke Seite dreht, ist laut Heiser nicht die Frage. „Für einen gesunden Menschen ist das völlig egal!“ Die Behauptung, Schlafen auf der linken Seite sei besser für die Verdauung, hält der Mediziner für höchst fraglich. „Auch hier gilt: Der Patient soll so liegen, wie es ihm am bequemsten ist.“ Aber Positions-Tricks gibt es. Viele Mediziner raten Patienten, die Probleme mit der Atmung haben: auf dem Rücken schlafen und den Oberkörper mit Kissen leicht schräg positionieren, in etwa in einem 30-Grad-Winkel.

Nicht zu früh ins Bett

Wann sollte ich ins Bett gehen? „Nicht zu früh“, erklärt der Schlaf-Experte. „Diesen Fehler machen viele Menschen.“ Beispiel Sonntagabend: Die Person mit Schlafproblemen geht um 22 Uhr ins Bett, weil sie weiß, dass es am nächsten Tag um sechs Uhr morgens losgeht. „Der Mensch ist aber ausgeruht, liegt im Bett und bekommt um 22 Uhr kein Auge zu.“ Die Folge: extremer Schlaf-Stress, weil der Betroffene glaubt, jetzt unbedingt einschlafen zu müssen. Laut Heiser ein Teufelskreis.

Pflanzliche Schlafmittel

„Bei einigen Menschen kann das helfen, bei anderen gar nicht“, sagt Experte Clemens Heiser vom Klinikum rechts der Isar. Hopfen und Baldrian hätten eine entspannende Wirkung. Hilfreicher sei es aber, sich ausreichend zu bewegen und Schlaf nicht als „Pflichtaufgabe“ zu betrachten.

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