Mit 78 erfüllt sich ein Lebenstraum

von Redaktion

Die Münchnerin Gabriele Treftz hat im Alter von 78 Jahren die Bühne erobert: Bei der SAT.1-Show „The Voice Senior“ begeisterte die lebensfrohe Seniorin mit dem Knef-Klassiker „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ die Jury.

VON ASTRID KISTNER

Manchmal muss man sein Leben lang warten, um die Chance zu bekommen, von der man schon immer geträumt hat. So wie Gabriele Treftz. Für die Friseurmeisterin regnete es rote Rosen, als sie am Sonntagabend mit ihrer warmen, weichen Stimme den Hildegard-Knef-Klassiker anstimmte. Mark Forster, Yvonne Catterfeld, Sasha und The BossHoss – alle vier Jurymitglieder buzzerten für die zauberhafte Münchnerin, die sich in der Auftaktsendung von „The Voice Senior“ (Sat.1) in die Herzen des Publikums sang. „Ich war wahnsinnig aufgeregt!“, berichtet die Münchnerin. „Als ich merkte, dass sich alle vier umgedreht hatten, wusste ich nicht mehr, ob ich vor Freude lachen oder weinen soll.“ Beim Gedanken an diesen Moment glitzern immer noch Tränen in Gabrieles Augen. „Eine meiner Schwächen“, sagt sie. „Ich bin sehr nah am Wasser gebaut.“ Schwäche? Es ist gerade diese Emotionalität, ihre positive Energie, die so ansteckend wirkt.

Wer diese Frau persönlich kennenlernen darf, kann nur schwer glauben, dass sie bereits 78 Jahre alt ist. Einmal die Woche geht Gabriele Treftz noch arbeiten. Im Münchner Friseursalon Arno Kühne an der Maffeistraße verwöhnt sie die Kunden mit einer Maniküre. „Viele kommen schon seit 30 Jahren zu mir. Ich bin mit ihnen alt geworden“, erklärt sie. Auch die Kollegen schätzen „ihre Gabi“, der sie dringend geraten haben, sich in der SAT.1-Gesangsshow für über 60-Jährige anzumelden. Als dann Moderatorin Lena Gercke im Salon auftauchte und sie mit der Einladung zu den Blind Auditions in Berlin überraschte, konnte die Rentnerin im Unruhestand ihr Glück kaum fassen. „Seit ich ein kleines Mädchen bin, habe ich von der großen Bühne geträumt“, erzählt Gabriele Treftz.

Doch die Zeiten damals waren alles andere als einfach. Mit fünf Jahren flieht die gebürtige Oberschlesierin mit ihrer Mutter nach Landshut. „Wir haben auf Strohmatten in einer Turnhalle geschlafen, bis uns eine kleine Wohnung zugewiesen wurde“, erzählt sie. Schon früh erkennen Lehrer das Talent der kleinen Gabi, die fleißig im Chor singt. „Sie haben meiner Mama dringend geraten, mich ausbilden zu lassen und zu fördern. Aber sie wusste ja nicht, woher sie das Geld nehmen soll.“

Die Musik bleibt Gabrieles große Leidenschaft, ihre Zuflucht, ihr Trost in schweren Zeiten. „Ich habe viele Hochs und Tiefs in meinem Leben gehabt“, sagt sie, „aber das Singen hat mir immer wieder Kraft und Freude gegeben.“ Caterina Valente, Frank Sinatra und Hildegard Knef begleiten die Wahlmünchnerin musikalisch durch Ehe- und Arbeitsjahre. Gabriele Treftz schrammt mehr als einmal an der Chance vorbei, die Bühne für sich zu erobern. Für einen Plattenvertrag bei der Firma Polydor ist sie Mitte der Fünfzigerjahre zu jung, als sie einige Jahre später als Sängerin einer Band angefragt wird, ist ihr Mann dagegen. „Er hat mir verboten zu tingeln, wie man damals sagte. Und ich war zu dumm und zu bescheiden, um mich durchzusetzen“, erinnert sich die Seniorin. Die Ehe scheitert.

Doch für Träume ist es nie zu spät. Das weiß auch Gabriele Treftz’ Lebensgefährte Wolfgang (91), der die Bewerbungsunterlagen für „The Voice Senior“ zusammengestellt und seine Liebste zu den Auftritten begleitet hat. „Er ist mein Fels in der Brandung, meine Stütze“, schwärmt die 78-Jährige. „Auch dank seiner Unterstützung hatte ich 2018 ein ganz tolles Jahr. Ich bin wahnsinnig lieben Menschen begegnet und habe musikalisch viel dazugelernt. Ich wünschte nur, meine Mutter hätte mich so auf der Bühne sehen können. Sie wäre irrsinnig stolz auf mich gewesen.“

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