Weil er von den eigenen Lebensumständen frustriert war, hat der 22 Jahre alte Verkäufer Adrian K. im April dieses Jahres vor seinem Elternhaus in Waldtrudering mehrere Explosionen verursacht. Stunden später bedrohte er seine Mutter mit einem Messer, vor Polizisten tauchte er mit einem Luftgewehr auf – am Freitag musste sich der junge Mann vor dem Amtsgericht verantworten.
Adrian K. befand sich nach seinen eigenen Schilderungen in einem psychischen Ausnahmezustand. Am Abend des 6. April hat er mehrere Flaschen Bier getrunken. Gegen Mitternacht stellte er im Garten mehrere Haarspraydosen auf einen großen Stein und setzte sie mit Grillanzündern in Brand. Dann feuerte der 22-Jährige mit dem Luftgewehr des verstorbenen Vaters auf die Dosen. Es kam zu mehreren Explosionen mit bis zu sechs Meter hohen Stichflammen, so der Staatsanwalt.
Mit der Zündelei brachte sich Adrian K. nicht nur selbst in Gefahr, sondern auch seine Nachbarn. Denn durch die Stichflammen geriet die Hecke an der Grundstücksgrenze in Brand, nur durch Zufall blieb die Holzfassade des Nachbarn verschont. „Ich habe den Feuerball gesehen, aus dem Fenster geschaut und ihm zugerufen, dass er diese Dummheiten lassen soll“, erzählt der Nachbar als Zeuge vor Gericht.
Adrian K. zog sich daraufhin ins Haus zurück. Auch am nächsten Tag besserte sich sein Zustand nicht. Am Abend kehrte er betrunken von der Arbeit heim. In der Tasche hatte er ein Messer, mit dem er sich kurz zuvor beim Öffnen von Kartons geschnitten hatte, sagte Adrian K. In der Küche wollte er es vor den Augen seiner Mutter abwaschen. Laut Anklage soll er seine Mutter bedroht und Geld gefordert haben. „Das war nicht meine Absicht“, beteuerte K., der sich nur noch an Bruchstücke des Geschehens erinnern kann. Die Mutter alarmierte die Polizei. Als die eintraf, stand K. vor dem Haus, in seiner Hand das geladene Luftgewehr. Weil der Lauf um 90 Grad abgeknickt war, sei die Waffe aber nicht schussfähig gewesen, erklärt K. Er habe das Gewehr auch sofort abgelegt. Jemanden bedrohen oder gar verletzen habe K. nicht wollen.
Adrian K. ist laut eines psychiatrischen Gutachtes bereits seit seinem 15. Lebensjahr regelmäßig wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen. Weil der 22-Jährige wohl im kommenden Jahr einen Ausbildungsplatz erhält, ließen die Richter Milde walten. Sollte K. in den nächsten drei Jahren wieder auffällig werden, drohen ihm zwei Jahre in einer Entzugsanstalt für Alkohol- und Drogenabhängige. Adrian K. selbst versicherte, er werde sich freiwillig einer Therapie unterziehen. J. HEININGER