„Bei dem Lärm fällst du aus dem Bett“

von Redaktion

Anwohner an der Münchner Freiheit beschweren sich über lärmende Nachtschwärmer. Stein des Anstoßes ist für sie der dortige 24-Stunden-Kiosk.

VON MICHAEL HELLSTERN

Ein grün leuchtender Würfel lockt seit mehr als vier Jahren Nachtschwärmer zur Münchner Freiheit. Der Kiosk im „Deubl Glass Cube“ ist Münchens einziger 24-Stunden-Kiosk – selbst der an der Reichenbachbrücke kommt da nicht ganz mit, der hat eine Stunde am Tag geschlossen. Die Bewohner der Münchner Freiheit 8 fühlen sich nachts allerdings durch die Kioskkunden gestört. „Ich wohne hier seit 45 Jahren, aber das habe ich noch nicht erlebt“, sagt ein Anwohner. „Die Leute machen nachts um vier Uhr Party, das ist Wahnsinn! Selbst Ohropax hilft da nichts mehr.“ Die Feiernden deckten sich mit Alkohol am Kiosk ein und tränken ihn dann an Ort und Stelle. Die Anwohner plädieren deshalb für ein Alkoholverbot am Kiosk zwischen 22 und 7 Uhr.

Anrufe bei der Polizei hätten bislang nur kurzzeitig für Besserung gesorgt, so der Anwohner. Auch habe man versucht, an die Vernunft der Lärmenden zu appellieren. Diese seien jedoch ausfallend geworden. „So kann es nicht weitergehen. Das sind keine Alkoholiker, sondern meiner Meinung nach Akademiker, die ihre Ghettoblaster mitbringen.“ Die Münchner Freiheit sei als nächtlicher Knotenpunkt gefragt wie nie, bestätigt eine weitere Anwohnerin. „Bei dem Lärm und Remmidemmi fällst du nachts aus dem Bett, das gab es früher nicht.“

Matthias Kehr, der den Kiosk im „Deubl Glass Cube“ betreibt, zeigt sich überrascht von den Vorwürfen. Bislang sei keiner der Anwohner mit ihm in Kontakt getreten. Er sei aber kompromissbereit: „Es gäbe natürlich die Möglichkeit, dass wir einen Nachttarif einführen und den Preis für Bier ab 22 Uhr erhöhen.“ Das Problem sei allerdings, dass die Kunden auch im Umfeld der Münchner Freiheit genug andere Möglichkeiten hätten, um Alkohol zu kaufen. „Wenn ich nicht ausschenke, dann schenkt jemand anderer aus.“ Zudem dürfe er in seinem Kiosk sowieso ab 20 Uhr nur Bier verkaufen und keine hochprozentigen Spirituosen. „Wenn ich auch kein Bier mehr verkaufen dürfte, dann könnte ich den Kiosk zumachen.“

Kehr sagt, er habe aber eine interessante Beobachtung gemacht: Vor der St. Ursula-Apotheke befänden sich einige Stromkästen der Münchner Verkehrsgesellschaft, die häufig Treffpunkt für Nachtschwärmer seien. „Die Stromkästen sind genau in der richtigen Höhe, um sie als Stehtisch benutzen zu können.“ Sie stehen direkt vor dem Haus der Anwohner und werden rege genutzt, wie die morgendlichen Müllberge zeigen.

Beschwerden rund um die Münchner Freiheit häufen sich, kürzlich hatten sich auch Anwohner am sanierten Wedekindplatz über das rege Nachtleben beschwert. „Ich halte den Dialog für sinnvoll, ehe man über Alkoholverbote spricht“, sagte Werner Lederer-Piloty, Chef des Bezirksausschusses (BA) Schwabing-Freiman, auf der jüngsten Sitzung des Gremiums. Der BA will erst einmal die Meinung aller Beteiligten einholen. Eventuell könne mit Streetworkern vermittelt werden.

Artikel 7 von 11