Kirchenglocken außer Kontrolle

von Redaktion

Satte eineinhalb Stunden haben die Kirchenglocken von St. Benedikt in der Nacht auf Sonntag die Anwohner wach gehalten. Ab etwa 22.30 Uhr dröhnten die mächtigen Schläge des vierstimmigen Bronzegeläuts erbarmungslos durch die Straßen des Westends. Erst nach Mitternacht waren die letzten Laute verklungen. Ruhe war aber nur kurz – am Vormittag setzte das Dauergebimmel erneut ein. „Ich wurde nachts vom Pfarrer angerufen, weil sich Anwohner gemeldet haben“, sagt Kirchenpfleger Wolfgang Meier am Sonntagmorgen. Auch eine Nachbarin ist vor Ort. „An Schlaf war nicht zu denken“, klagt die Frau. Kein Wunder: Kirchenglocken können über 100 Dezibel laut sein – so laut wie eine Motorsäge. Die erste Mutmaßung von Angestellten der Pfarrei, die neben St. Benedikt an der Schrenkstraße wohnen: Einer der Päpste könne womöglich gestorben sein. Doch noch in der Nacht stellte sich heraus: Ein technischer Defekt war verantwortlich für das Dauergebimmel. „Die Glocken werden elektrisch betrieben. Manuell war da nichts zu machen“, sagt Meier. Erst als der Bruder des Pfarrers nach Mitternacht die Hauptsicherung zog, standen die Glocken still. Jedoch: Ohne Sicherung gaben nicht nur die Kirchenglocken Ruhe; die gesamte Elektrik funktionierte nicht mehr, das Gotteshaus blieb dunkel. Als um 11 Uhr morgens die vietnamesische Gemeinde ihre Messe abhalten wollte, wurde die Sicherung wieder eingeschaltet – und die Glocken bimmelten los.

Meier hofft, dass ein Experte heute den Fehler findet und die störrischen Kolosse wieder unter Kontrolle bringt. „Die Firma ist schon beauftragt.“   D. SCHMITT

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