Der schwarze Anzug sitzt wie angegossen. Teure Uhr, Gelfrisur und der smarte Blick: So kennt man Hamada Iraki (46) aus seiner Zeit beim TSV 1860 München. Als rechte Hand von Investor Hasan Ismaik saß der Banker im Aufsichtsrat und half mit, den Verein vor der Insolvenz zu bewahren – bis er die Löwen Ende 2012 überraschend verließ und sich wieder Investment-Geschäften widmete.
Blass ist sein Gesicht, als er gestern auf der Anklagebank des Amtsgerichts Platz nimmt. Leichte Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn. Es ist ein ungewohntes Terrain, das der Ex-Löwen-Funktionär nun betreten musste, und der Grund ist mehr als unschön: Drei Buben soll Iraki in Sendling verprügelt haben, deshalb muss er sich vor Gericht verantworten – gemeinsam mit seiner Frau Amal (31), die neben ihm Platz nahm. Beiden wirft die Staatsanwaltschaft gefährliche Körperverletzung vor. Ein Vorwurf, der dem Banker gar nicht schmeckte.
Denn eigentlich fing der Streit am 30. April 2018 ganz harmlos an: Die drei Buben (damals 12, 14 und 14 Jahre alt) zogen in der Freinacht durch die Lochhamer Straße. Aus Jux hatten sie Rasierschaum dabei und sprühten herum. Doch als sie am Haus von Hamada Iraki vorbeikamen, rastete der Investmentbanker plötzlich aus.
„Er zog die Jungs auf sein Grundstück und wurde richtig aggressiv“, sagt Andreas K. (49), Vater von zwei der Buben. Seinem Sohn Valeriu (heute 15) soll Iraki die Spraydose ins Gesicht geschlagen haben, sodass der Schüler eine Schädelprellung erlitt. Dessen Kumpel Alex (14) schleuderte Iraki laut Staatsanwaltschaft zu Boden. So hart, dass dessen Ellenbogen splitterte. „Herr Iraki hat gebrüllt, dass er uns beim nächsten Mal tötet“, behaupten die Buben, noch immer gezeichnet von dem Vorfall in ihrer Nachbarschaft.
Vor Gericht entschuldigte sich der Ex-Aufsichtsrat gestern für seinen Ausraster. „Es tut mir leid, wenn ich ihnen Angst eingejagt oder wehgetan habe“, las er aus einer vorgefertigten Erklärung. Im Mai hatte Iraki noch behauptet, dass die Schüler Eier gegen sein Haus geworfen hätten. Beweise hat er dafür allerdings nicht vorgelegt. Iraki bestritt damals zudem, dass es zu Handgreiflichkeiten gekommen sei.
Im Prozess ist nun auch seine Frau Amal (31) angeklagt, die Julian K. (12) getreten haben soll. Blass saßen beide gestern im Gerichtssaal – umringt von drei Verteidigern. „Bei dieser Entschuldigung hat uns leider die Einsicht gefehlt“, sagt Vater Andreas K. und legt die Hände auf die Schultern seiner Buben. „Herr Iraki hat ja nicht mal aufgeschaut.“
Am Amtsgericht beschäftigte sich der erfahrene Richter Richter Robert Grain nun mit dem Fall – ein ausgewiesener Spezialist im Umgang mit Kindern, die er oft im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch oder Gewalt verhören muss. Grain hat dafür eine einfühlsame, mitunter aber auch strenge Vorgehensweise entwickelt. In ähnlichem Ton spricht er interessanterweise oft auch mit erwachsenen Angeklagten.
Mit Hamada Iraki machte der Richter gestern aber kurzen Prozess – und verdonnerte den Ex-Löwen und dessen Frau zu insgesamt 7500 Euro, die das Paar an die Buben und einen gemeinnützigen Verein überweisen muss. „Wenn bezahlt wird, stelle ich das Verfahren ein“, sagte der Richter. Für den reichen Banker Iraki eine recht milde Strafe – und verurteilt ist er offiziell nicht.