Stadt bleibt hart gegen Obdachlose

von Redaktion

Die Stadt bleibt bei ihrer harten Linie gegen wilde Obdachlosen-Lager. Nach der Räumung der Isarbrücken im vergangenen Jahr steht jetzt eine Aktion an der Fußgängerunterführung am Westermühlbach bevor. Passanten sehen dort indes gar kein Problem.

VON SEVERIN HEIDRICH

Etwa 20 Wohnungslose haben in der Unterführung unter der Kapuzinerstraße in der Isarvorstadt ihre Nachtquartiere aufgeschlagen. Sie haben Matratzen gestapelt, hüllen sich nachts in dicke Schlafsäcke. Weil der Wind durch die Unterführung pfeift und um ein Minimum an Privatsphäre zurückzugewinnen, haben sich manche sogar regelrechte Verschläge gebaut – mit Stühlen, Kommoden und anderem Mobiliar. Doch damit ist am kommenden Dienstag Schluss. Die Obdachlosen müssen sich ein anderes Plätzchen suchen, denn die Stadt duldet solche Camps nicht.

Bereits 2015 hat das Sozialreferat die sogenannte AG Wildes Campieren gegründet. Zusammen mit dem Kreisverwaltungs- und dem Baureferat greift die Verwaltung seitdem durch: Allein im letzten Jahr räumte die Stadt 13 Camps, darunter das Lager unter der Reichenbachbrücke. Damit wolle die Stadt nicht nur für Ordnung sorgen, so Edith Petry, Sprecherin des Sozialreferats. Mit den Interventionen möchte die Verwaltung die Obdachlosen auch über ihre Rechte aufklären, ihnen gegebenenfalls Wege aufzeigen, trotz ihrer finanziellen Situation an Wohnraum zu gelangen. In der Zwischenzeit bleibe zumindest der Kälteschutz: „In der Bayernkaserne haben wir 850 Schlafplätze“, sagt Petry. „Da ist für jeden Obdachlosen Platz.“

Der Stadt geht es also darum, eine deutliche Botschaft zu vermitteln: In München muss niemand auf der Straße schlafen. Schätzungen zufolge leben in München bis zu 9000 Menschen ohne feste Bleibe. Die meisten bringt die Stadt in Wohnheimen, Pensionen oder anderen Notquartieren unter. Doch rund 500 Personen leben auf der Straße.

Es gebe aber auch gute Gründe, warum eben nicht jeder in der Bayernkaserne unterkommt, erklärt ein in der Wohnungslosen-Hilfe engagierter Münchner, der anonym bleiben will: Zum einen gebe es jene, die gar nicht in die Bayernkaserne dürften – beispielsweise weil sie Hausverbot hätten. Zum anderen gebe es einige, die als Pärchen auf der Straße leben. In der Bayernkaserne müssten sie in getrennten Zimmern schlafen. Und dann gebe es jene, die es – aus welchen Gründen auch immer – schlicht ablehnen, mit bis zu sieben Fremden in einem Zimmer zu schlafen, vorher durchsucht zu werden und früh morgens die Einrichtung verlassen zu müssen.

Die Stadt ist entschlossen, die Lager aufzulösen. In Kürze wird auch am Heidenauplatz und im Olympiapark geräumt. Wie viele Obdachlose dann in die Bayernkaserne gehen und wie viele sich trotz der Kälte einen neuen Lagerplatz suchen und sich bis zur nächsten Räumung mit ihren wenigen Habseligkeiten dort einrichten, kann niemand sagen.

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