Mensa wird zu einem Baudenkmal

von Redaktion

Städtische Neubaupläne am Schulzentrum Neuperlach-Nord geplatzt – Überlegungen müssen von vorne beginnen

VON CARMEN ICK-DIETL

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege macht der Stadt einen dicken Strich durch ihre Neubaupläne für die Mensa des Schulzentrums Neuperlach-Nord an der Quiddestraße. Die Denkmalschützer wollen das ebenerdige Mehrzweckgebäude aus Sichtbeton mit vieleckigem Grundriss und großen Fenstern zum Hof nämlich unter Schutz stellen.

Damit sind Abriss und Neubau der Schulmensa vom Tisch, wie das Bildungsreferat (RBS) auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. „Die bisherigen Konzepte und Machbarkeitsstudien können nicht weiterverfolgt werden“, erklärt RBS-Sprecherin Katharina Rieger. Momentan werde ein neues Konzept zur Sanierung des Mensagebäudes erstellt. „Da die Planungen jetzt erneut beginnen müssen, sind aktuell keine verlässlichen Aussagen zur Zeitschiene möglich.“

Die Mensa wurde zusammen mit dem benachbarten Schulzentrum, in der sich das Werner-von-Siemens-Gymnasium, die Werner-von-Siemens-Realschule und die städtische Orientierungsstufe befinden, 1975 fertiggestellt. Als das Schulgebäude zwischen 2007 und 2009 umfassend saniert wurde, stand eigentlich auch die Mensa auf dem Plan. Doch nach Untersuchung der Gebäudesubstanz und des Brandschutzes im Hauptgebäude wurden die Arbeiten so umfangreich, dass die Mensasanierung bis auf Weiteres zurückgestellt wurde. Zuletzt war von Abriss und Neubau des Nebengebäudes die Rede, jedoch nicht vor dem Jahr 2020.

Der Denkmalschutz findet allerdings, dass die Mensa, die auch für Bürgerversammlungen und Kulturveranstaltungen genutzt wird, im Interesse der Allgemeinheit im Original erhalten werden muss. Zum einen habe sie geschichtliche Bedeutung, denn der Schulbau gehörte zu den großen Bauaufgaben in den 1970er-Jahren und erforderte damals neue planerische Konzepte und Flexibilität. Da die Mensa mit ihrer marktplatzartigen Gestaltung bis heute unverändert ist, sei sie ein anschauliches Zeugnis für diesen Wandel im Schulbau.

Daneben gibt es aus Sicht der Denkmalschützer auch eine baukünstlerische Bedeutung. Die komplexe architektonische Form und die offenen Grundrisse seien ein Beispiel für eine „pädagogisch motivierte Architektur“. Mit seiner bewegten Dachlandschaft aus geraden und verschieden geneigten Dachflächen habe der Bau außerdem ein „skulpturales Erscheinungsbild“. Daher will man es auf der Liste der Baudenkmäler der Stadt München nachtragen. Die Sichtbetonfassaden würden sich durchaus sanieren lassen, findet das Landesamt.

Der Perlacher Bezirksausschuss will nun in einer Anfrage wissen, ob man aufgrund der Denkmal-Einordnung vielleicht an zusätzliche Mittel für die Sanierung des Bauwerks kommt.

Artikel 7 von 11