Geld ist nicht alles, aber ohne Geld ist alles nichts, lautet ein Sprichwort. Stimmt das? Wer wenig am Konto hat, ruft sicher „Ja!“. Aber ist man reich wirklich glücklicher? Das wird in etlichen wissenschaftlichen Studien untersucht, die Volkshochschule Erding veranstaltet heuer sogar extra einen Vortragsabend zu dem Thema. Wir haben drei Menschen, die es wissen müssten, die gleiche Frage gestellt: Macht Geld glücklich?
Der Mönch
Er hat kein Haus, kein Auto, bekommt kein Gehalt. Und trotzdem ist er reich – an Zufriedenheit. „Ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich alles habe, was ich brauche“, sagt Bruder Natanael (47). Seit zwölf Jahren ist er Franziskaner, lebt seit sieben Jahren im Kloster St. Anna im Lehel zusammen mit 19 anderen Franziskaner-Brüdern. Mit Anfang 30, als er erfolgreich Marketing und Kommunikation studiert und einen gut bezahlten Job hatte, sei er ins Zweifeln gekommen. „Dieses ständige Karriere-Streben wollte ich nicht mehr mitmachen“, erzählt Bruder Natanael, der diesen Namen erst im Kloster annahm. Das Wirken von Franz von Assisi, dem Begründer des Franziskaner-Ordens, beeindruckte den PR-Referenten aus dem Schwarzwald so sehr, dass er schließlich Teil der Gemeinschaft wurde. Seitdem beginnt Natanaels Tag um 7 Uhr früh mit dem Morgengebet Laudes und endet mit der Vesper um 18.45 Uhr. Weltliche Arbeit hat Bruder Natanael dazu genug: er betreut die Computer im Kloster und die beiden Zeitschriften des Ordens mit einer Auflage von 70 000 Stück. Gehalt bekommen die Brüder nicht. „Das Geld bekommt die Gemeinschaft. Und die Gemeinschaft trägt den Einzelnen mit.“ Das genügt dem 47-Jährigen, ebenso wie sein schlichtes Einzelzimmer mit Bett, Schrank und Schreibtisch. „Ich brauche keinen eigenen Fernseher, bei uns steht einer im gemeinsamen Fernsehraum.“ Sein Resümee: „Faktisch habe ich nichts. Geld macht mich nicht glücklich.“
Der Millionär
Wie man mit viel Willen, Fleiß und Arbeit solch einen Aufstieg schafft, das weiß Ralph Piller. Der Münchner zählt zu den erfolgreichsten Unternehmern der Stadt, dem unter anderem der Pay-TV-Sender Silverline gehört. „Geld“, sagt er, „macht glücklich, weil es unabhängig macht.“ Sein erster finanzieller Erfolg: „Mit 17 habe ich eine externe Schülerzeitung gegründet, nach drei Ausgaben war unser DIN-A4-Magazin ALTERNATIVE eine der größten Schülerzeitungen Deutschlands.“ Das Heft wurde in den 70er-Jahren kostenlos an allen Münchner Gymnasien verteilt, Geld verdiente Piller mit dem Verkauf der Anzeigen. „Ein seitengroßes Inserat kostete 900 Mark“, erinnert sich Piller. Mit dem ersten Gewinn leistete er sich einen Sportwagen, einen Fiat 124 Spider. „Ich war unabhängig von daheim und echt stolz.“ Zur Schülerzeitung kam die Studentenzeitung – und zwar noch bevor Piller Betriebswirtschaft und Jura an der Ludwig-Maximilians-Universität studierte. „Ich hatte als Gymnasiast schon eine Sekretärin an der Uni“, sagt der Münchner und schmunzelt. Heute zählt zu seiner Piller-Group neben dem Pay-TV-Sender Silverline eine Immobilienfirma, ein Stromanbieter für Ökostrom, Pflegewohnheime und Edelholzplantagen in Costa Rica. „Wir haben rund 100 Mitarbeiter und machen einen Jahresumsatz von mehreren Millionen“, erklärt Piller und bilanziert: „Ich wollte immer unabhängig sein, nicht für irgendjemanden arbeiten, der mich gängelt. Das habe ich geschafft – und das macht mich glücklich.“
Der Lotto-Bote
„Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Millionengewinn! Jetzt setzen Sie sich erst mal hin und kommen an.“ Diese beiden Sätze hat Rainer Holmer (49) schon 300 Mal in seinem Leben gesagt. Seit 18 Jahren betreut er bei Lotto Bayern die großen Lottogewinner. „Die meisten Menschen, die am Samstag bei der Lottoziehung merken, dass sie einen Millionenbetrag gewonnen haben, kommen bald darauf in unsere Lottozentrale an der Theresienhöhe, um ihre Spielquittung einzulösen“, berichtet Holmer. Die Reaktionen auf seine Glückwünsche seien ganz unterschiedlich: „Von Freudentränen über Luftsprünge bis zur Schweigeminute ist alles dabei.“ Der Höchstgewinn, den er bestätigen durfte: über 33 Millionen Euro. „Das waren drei Handwerker aus Franken, die sich das Geld teilten. Der eine wollte trotzdem weiterarbeiten – aber nur für Kunden, die er mag. Der andere musste seine Schulden bezahlen und der Dritte kaufte sich einen VW-Bulli und fuhr in die Welt zum Surfen“, schildert Holmer. Manche Begegnungen laufen aber auch ganz anders ab. Wie die mit einem Münchner, der auf dem Stuhl zusammensank und sagte: „Herr Holmer, ich würde Ihnen das ganze Geld hierlassen, wenn nur meine Frau wieder gesund würde.“ Deswegen ist der 49-Jährige überzeugt: „Geld an sich macht nicht glücklich. Aber es ist ein Unsinn, zu sagen, wir brauchen gar kein Geld. Denn wir leben in einer materiellen Welt, müssen Miete und Lebensunterhalt bezahlen“, sagt der Lotto-Experte abschließend.