Die Bayern-Fans werden sich ungern an das „Finale dahoam“ im Jahr 2012 erinnern. Damals gab es eine schmerzliche Niederlage nach Elfmeterschießen gegen den FC Chelsea London. Statt einer Fiesta in Rot-Weiß trug München Trauer. Trotz der sportlichen Enttäuschung wollen der FC Bayern und der DFB einen neuerlichen Anlauf für eine Bewerbung starten – und brauchen dazu natürlich die Unterstützung der Stadt.
Das Sportreferat hat sich allerdings bei der Erstellung der Beschlussvorlage für den Stadtrat erstaunlich viel Zeit gelassen. Bis zum Freitag müssen die Bewerbungsunterlagen bei der UEFA eingereicht werden. In der Vollversammlung am Mittwoch wird das Thema nun beraten – zum letztmöglichen Zeitpunkt. Die Verwaltung empfiehlt eine Bewerbung um die Ausrichtung des Finales im Jahr 2021 in der Allianz Arena. Einziger Konkurrent der Münchner ist St. Petersburg. Zweifel, dass der Stadtrat etwas dagegen haben könnte, gibt es nicht. Nach Informationen unserer Zeitung herrschte bei einer Vorbesprechung im Ältestenrat parteiübergreifend „große Einmütigkeit“.
Die mutmaßlichen Kosten sind happig. Das Sportreferat beziffert den Aufwand auf 7,1 Millionen Euro – plus einen Puffer von 1,5 Millionen Euro für „Unvorhergesehenes“. Den Löwenanteil verschlingt das Sicherheitskonzept mit rund 2,75 Millionen Euro. Ordnungsdienste im Umfeld des Finales, Fantrennung, Videoüberwachung und Brandschutz spielen hier eine Rolle. Für ein Mobilitätskonzept (etwa Bus-Shuttles) und die kostenlose Nutzung des ÖPNV für Stadionbesucher am Finaltag rechnet die Stadt mit Kosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Sollte Public Viewing im Olympiastadion mit Rahmenprogramm im Park gewünscht sein, beziffert das Sportreferat den Aufwand auf eine Million Euro.
Prinzipiell weist die Verwaltung darauf hin, dass es sich um eine „grobe Kostenschätzung“ handelt – auch aufgrund des „äußerst knappen Zeithorizonts dieser Bewerbung“. Der FC Bayern und der DFB hatten ihre Ambitionen Ende Oktober bekannt gemacht. Ende November habe die Stadt die Turnieranforderungen vom DFB schriftlich erhalten. Außerdem hätten die Erfahrungen der Vergangenheit gezeigt, dass „die relativ unkonkreten Vorgaben der UEFA in der Umsetzungsphase“ stets zulasten der Gastgeberstadt angepasst würden und somit sehr volatil seien. Laut Sportreferat gehen die Anforderungen diesmal weit über den Aufwand für 2012 hinaus. Zum Beispiel müssen bereits im Vorfeld Veranstaltungen durchgeführt werden, außerdem fordert die UEFA von der Stadt ein Organisationskomitee mit mindestens zwölf Personen. Ein Großteil der anfallenden Kosten für das Finale 2021 sei aus den Erfahrungswerten der aktuellen Planungen für die EM 2020 abgeleitet worden, heißt es vom Sportreferat. Der Stadtrat bewilligte hier ein Budget von 14 Millionen Euro. Bei der EM 2020 werden drei Vorrundenspiele und ein Viertelfinale in München ausgetragen.
Die Verwaltung listet auch den Nutzen des Champions-League-Finales für die Stadt auf. Die Veranstaltung zähle zu den größten und medienwirksamsten Sportgroßereignissen weltweit. 2012 seien rund 139 500 Tagesbesucher mit insgesamt 104 000 Übernachtungen gezählt worden. Die Besucher hätten damals etwa 47,6 Millionen Euro in der Stadt ausgegeben. Sollte München den Zuschlag bekommen – die UEFA will sich Ende Mai entscheiden –, wäre es das vierte Champions-League-Finale in der bayerischen Landeshauptstadt. Vor dem „Finale dahoam“ gab es bereits zwei Spiele im Olympiastadion. 1993 gewann Olympique Marseille den Pokal gegen den AC Mailand, 1997 setzte sich Dortmund gegen Juventus Turin durch.