Durch den frischen, sonnigen Morgen schleichen schwer bewaffnete Polizisten hinter einem gepanzerten Einsatzfahrzeug auf die Baustelle an der Ohlmüllerstraße. Sie haben Maschinenpistolen im Anschlag. Die Spezialeinsatzkräfte stürmen am Freitagmorgen um kurz vor neun Uhr jenen Ort, an dem sich Schreckliches zugetragen hat. In einem Baucontainer hat ein Mann (29) sein Gegenüber (45) erschossen und sich danach selbst gerichtet.
In einem Radius von rund 200 Metern um die Baustelle riegelte die Polizei alle Straßen ab, auch Busse und Trambahnen fuhren nicht mehr. Eine leere Bahn steht an der Ohlmüllerstraße auf Höhe der Hausnummer 42. Dort stand einst die Justizvollzugsanstalt für Jugendliche und Frauen. Momentan ziehen Bauarbeiter hier einen neuen Komplex hoch. An diesem Donnerstag arbeitet in der Grube die Spurensicherung.
In den ersten Minuten nach dem Notruf war unklar, was sich in dem Bürocontainer zugetragen hatte. Anwohner hatten gegen 8.50 Uhr mehrere Schüsse gehört. Bauarbeiter entdeckten wenig später die zwei toten Männer. Daneben die Tatwaffe: eine Pistole. Die Polizei fuhr den ganz großen Einsatzapparat hoch. Sprecher Sven Müller sagte am Vormittag: „Wir haben es hier mit einer lebensbedrohlichen Einsatzlage zu tun, beordern deshalb Spezialkräfte und Einsatzhundertschaften an den Tatort.“ Bis zu 40 Streifenwagen rückten an. Spürhunde warteten auf ihren Einsatz. Über dem Schauplatz kreiste ein Polizeihubschrauber. Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und Sanitätsdienst säumten die Straßen. An den Absperrungen beobachteten Passanten die Szenerie. „Zum Glück waren alle Kinder schon da, bevor der Einsatz losging. Die Polizei hat uns geraten, die Kinder nicht in den Garten zu schicken“, sagt die Mitarbeiterin eines Kindergartens. Im benachbarten Landratsamt waren Mitarbeiter und Bürger gefangen. Die Polizei bestand darauf, dass sie aus Sicherheitsgründen in dem Gebäude bleiben.
Erst als klar war, dass es sich bei den Toten um Opfer und Angreifer handelte und dass es keinen flüchtigen Täter gab, entspannte sich die Lage. Ermittlungen ergaben, dass die Männer in Streit geraten waren. Ein Streit, aus dem ein Drama wurde.
Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich bei einem der Toten um einen 45 Jahre alten Polier aus dem Landkreis Görlitz (Sachsen). Einer seiner Kollegen sagte: „Ich kann es nicht glauben. Noch ein paar Minuten zuvor haben wir uns gesehen. Mir tut es so leid für seine Familie. Er hatte zwei kleine Kinder.“ Das zweite Opfer, ein 29-jähriger Augsburger mit deutscher und kroatischer Staatsangehörigkeit, soll der Angreifer gewesen sein. Offenbar war er als Architekt und in leitender Funktion auf der Baustelle tätig. Er soll sich zunächst in seinem Büro in einem der oberen Container aufgehalten haben.
Dort kam es um kurz vor 9 Uhr zu einem Gespräch mit dem Polier. Der Inhalt ist nicht bekannt. Sekunden später fielen Schüsse. Ein Augenblick Pause, dann knallte es wieder. Als Arbeiter die Tür öffneten, fanden sie die Leichen. Offenbar hatte der Architekt eine Pistole gezogen, den Polier erschossen und sich selbst gerichtet. Wie der 29-Jährige an die Waffe kam, ist noch unklar.
Die rund 50 Bauarbeiter, die zu diesem Zeitpunkt an der Grube waren, wurden vom Gelände geführt und von Polizisten befragt.