Das Chaos entwirren

von Redaktion

Ein Rundgang durch die gigantische Baustelle am U-Bahnhof Sendlinger Tor

VON SEVERIN HEIDRICH

Helm auf, Weste an! Und dann geht es mit Andreas Schmid auf große Baustellentour am Sendlinger Tor. Der 38-Jährige ist Ingenieur bei den Stadtwerken, er verantwortet das große Ramadama am U-Bahnhof Sendlinger Tor. Auf dem Bild in der Mitte befindet sich zu seinen Füßen der sogenannte Querschlag Blumenstraße – ein etwa 25 Meter tiefes Loch.

Wo derzeit noch die Bauarbeiter herumwerkeln, sollen sich künftig die Fahrgäste ihren Weg zum U-Bahn-Gleis bahnen. Bis es so weit ist, haben die Bauarbeiter aber noch einiges zu tun. Erst im Jahr 2022 soll der Umbau abgeschlossen sein – wenn weiter alles nach Plan läuft.

Die Münchner Umwelt-Akademie hat 20 Interessierte zu einem Baustellenrundgang eingeladen. Sie folgen Andreas Schmid im Gänsemarsch in die riesige Grube. 220 000 Menschen strömen jeden Tag durch den Bahnhof am Sendlinger Tor, gut 1600 U-Bahnen fahren täglich ab. „Am Sendlinger Tor haben wir einen klassischen Umsteigebahnhof“, sagt Schmid. Sieben Linien treffen hier aufeinander, die Fahrgäste brauchen in diesem Gewirr starke Nerven: Die Treppenaufgänge sind so angelegt, dass die Menschen sich aus allen Richtungen begegnen. Die Folge ist regelmäßiges Chaos!

Dieses Chaos sollen zwei Querschläge entwirren. Die heißen so, weil sie eine Querverbindung zwischen den U-Bahn-Röhren schlagen. Einer dieser Querschläge ist das 25-Meter-Loch auf dem Foto oben. Ein ebenso tiefes Loch haben die Bauarbeiter an der Sonnenstraße gegraben. Dort sollen nach Abschluss der Arbeiten je zwei Rolltreppen, eine normale Treppe und ein Aufzug für den nötigen Anschluss zwischen Bahnsteig, Zwischengeschoss und Oberfläche sorgen.

Für den stabilen Halt dieser Verbindung haben die Arbeiter unzählige 38 Meter lange Pfähle in den Boden gerammt, Bohrroboter mussten sich in nur 48 Stunden aus dem Bauloch in die bestehende U-Bahn-Röhre fräsen. Und das alles im laufenden Betrieb. Wirklich günstig ist die ganze Aktion natürlich nicht: 150 Millionen Euro sind veranschlagt. Und wenn die Stadt weiter so rasant wächst, wird’s schon 2030 wieder eng, sagt Schmid, der bereits seit 2012 am Projekt plant und seit 2017 je zwei Tage die Woche auf der Baustelle steht. „Aber es musste jetzt endlich etwas passieren“, sagt er. Scharfe Reinigungsmittel und eintretendes Wasser hätten die 50 Jahre alte Bausubstanz beschädigt, die Gebäudetechnik sei veraltet, Asbest und andere Schadstoffe seien noch immer in den Wänden.

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