Die geplante Abwicklung des Umbaus der Sendlinger Straße sorgt für Ärger. Geschäftsleute wie der Inhaber von Leder Fischer kritisieren, dass ihr Laden sechs bis acht Wochen lang von einem zwei Meter hohen Bauzaun „eingemauert“ werde. Geschäfte seien für Passanten nicht mehr einsehbar. Dies führe zu Umsatzverlusten.
Wie berichtet, soll die gesamte Sendlinger Straße nach einjähriger Versuchsphase dauerhaft zur Fußgängerzone werden. Dafür sind noch Umbaumaßnahmen notwendig, damit die Straße optisch aufgehübscht wird. Die Devise lautet: mehr Grün und mehr Gemütlichkeit. Dafür werden Bäume gepflanzt sowie Blumentröge und Sitzmöglichkeiten aufgestellt. Zudem müssen die Gehsteige abgesenkt und neue Bodenplatten verlegt werden.
Nikolaus Neusiedl führt das Fachgeschäft Leder Fischer seit 1993. Es ist ein Laden für Leder- und Lammfelljacken sowie Trachtenmode. Eines der letzten inhabergeführten Traditionsunternehmen in der Sendlinger Straße, seit 1950 bestehend. Neusiedl betont, dass die Stadt beschlossen habe, aus der Sendlinger Straße eine Fußgängerzone zu machen, sei aus Händlersicht sehr zu begrüßen. „Es wertet den Standort auf und trägt dazu bei, die Innenstadt zum beliebten Ziel der Münchner und der Touristen zu machen“, erklärt der 60-Jährige.
Aber die Abwicklung des Umbaus stößt ihm bitter auf. Vor einigen Tagen hätten die Geschäftsleute bei einer Besprechung mit der Stadt eher beiläufig davon erfahren, dass „ganze Häuserblöcke für mindestens sechs Wochen vom Passantenstrom abgeschnitten werden“, wie es Neusiedl formuliert. Eigentlich sollte nur über die Gestaltung des Bauzaunes informiert werden. Auf Nachfrage habe sich herausgestellt, dass abschnittsweise auf einer Länge von 40 und einer Breite von sieben Metern jeweils zwei Meter hohe Bauzäune errichtet würden. Sechs bis acht Wochen kann diese Sperrung andauern. „Da sieht man ja die Geschäfte nicht mehr“, kritisiert Neusiedl.
Dem Geschäftsmann leuchtet ein, dass eine temporäre Sperrung nicht zu vermeiden ist. Aber als unlängst in der Haupt-Fußgängerzone die Platten neu verlegt worden seien, habe die Stadt immer nur einen Abschnitt von 100 Quadratmetern für einen Zeitraum von zwei Wochen abgesperrt, sagt Neusiedl. „Mit dieser Lösung habe ich auch in der Sendlinger Straße gerechnet, und damit könnten wir als Geschäftsleute auch leben.“ In der Sendlinger Straße ist der Umbau aber aufwendiger.
Zeitlich gesehen sollen die Arbeiten ab dem 6. Mai beginnen und dann in einzelnen Bauphasen stattfinden. Dass die Arbeiten in den Sommermonaten stattfinden und sich bis zur Wiesn-Zeit hinziehen, sei gerade für ein Geschäft, das Dirndln und Trachtenlederhosen verkauft, fatal, meint Neusiedl und fügt hinzu: „Es wäre schön gewesen, die betroffenen Unternehmen in die Planung der Baustelle mit einzubeziehen.“ Dieses Vorgehen laufe auch dem Wunsch von OB Dieter Reiter (SPD) entgegen, „den kleinteiligen familiengeführten Einzelhandel in München zu stützen“. Leider, so Neusiedl, gebe es nicht mehr viele solcher Geschäfte in der Sendlinger Straße. „Meist handelt es sich um Ketten, die Umsatzausfälle über ein riesiges Filialnetz kompensieren können“, hat Neusiedl beobachtet.
Das letzte Wort in dieser Angelegenheit ist aber noch nicht gesprochen. Wolfgang Fischer, Chef der Einzelhandelsvertretung CityPartner, sagte unserer Zeitung: „Wir werden mit dem Baureferat verhandeln, um einen Ausweg zu finden.“ Das Ziel: kleinere Baufelder und kürzere Bauzeiten. KLAUS VICK