Was für ein Zufall: Genau im richtigen Moment hat Hans S. am Samstagabend aus dem Fenster geschaut – und damit der Polizei geholfen, einen Einbrecher direkt am Tatort festzunehmen. Der Kroate dürfte das freilich etwas anders sehen: Er sitzt mittlerweile in U-Haft. Dabei hatte sich der 61-Jährige große Mühe gegeben, unerkannt fliehen zu können: Er hatte sogar Frauenkleidung unter seinen Klamotten angezogen.
Kurz nach 20 Uhr blickte Hans S. aus dem geöffneten Fenster seines Anwesens in Trudering – und stutzte. Erst hörte er ein ganz leises Knacken. Als ob jemand etwas aufgebrochen hätte. „Dann bewegte sich im Haus meiner Nachbarn eine Taschenlampe durch die Räume“, erzählt der Münchner. Hans S. wusste, dass die Nachbarn nicht da sind. „Sofort war mir klar: Da stimmt was nicht!“ Der 55-Jährige wählte den Notruf. Rund 20 Beamte rückten an. „Die waren wirklich sehr schnell da“, sagt Hans S. Es sei wie in einem Krimi gewesen: Einer sprang über eine Sichtschutzwand, in Windeseile war das ganze Haus umstellt. Als der Einbrecher das bemerkte, versuchte er, durch die Terrassentür an der Rückseite des Hauses zu fliehen. Doch er hatte keine Chance: Als er aus dem Anwesen herauskam, klickten die Handschellen. „Die Polizisten hat aber stutzig gemacht, dass der Festgenommene kurze Haare hat.“ Denn Hans S. hatte zuvor im Haus jemanden mit langen Haaren beobachtet. „Die Polizisten dachten deshalb, es sei noch ein Zweiter beteiligt“, sagt S. Doch im Haus war niemand mehr. Dafür stellte sich schnell heraus, dass der Einbrecher unter seiner Arbeitskleidung Frauenklamotten trug. In diesem Fall hat das wohl nichts mit dem Fasching zu tun, sondern damit, dass der Einbrecher sich für die Flucht tarnen wollte.
Gebracht hat ihm das am Ende nichts. Die Polizei fand Bargeld, Schmuck und Aufbruchwerkzeug bei ihm. Nur eine Perücke wurde bisher nicht entdeckt. „Der Nachbar hat alles richtig gemacht“, lobt Polizeisprecher Peter Werthmann. Hans S. bleibt bescheiden: „Es war einfach Riesenglück.“ Er wird künftig noch häufig aus dem Fenster schauen. So einen Krimi vor der eigenen Haustür braucht der Münchner aber so schnell nicht mehr. STEFANIE WEGELE