2014 hatte Edda Göring noch mal für Schlagzeilen gesorgt. Die Tochter des NS-Kriegsverbrechers Hermann Göring hatte eine Petition im Landtag eingereicht. Sie verlangte einen Teil des Vermögens ihres Vaters zurück. Das hatte der Freistaat 1948 eingezogen, ohne den Erben etwas davon zu überlassen. Edda Göring beklagte das als „entschädigungslose Entziehung“ in ihrem Schreiben. Das sei grundrechtswidrig gewesen, nun fordere sie „notdürftigen Unterhalt“ durch den Freistaat. Der Verfassungsausschuss wies das Ansinnen 2015 zurück. Danach war es ruhig geworden um die Patentochter von Adolf Hitler. Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist Edda Göring am 21. Dezember gestorben. Das Kreisverwaltungsreferat bestätigte entsprechende Informationen unserer Zeitung. Bis zu ihrem Tod hatte Edda Göring im Lehel gewohnt. Beigesetzt wurde die Seniorin in einem Urnengrab auf dem Münchner Waldfriedhof. Wo genau, ist unbekannt. In den Akten der Friedhofsverwaltung existiert ein Vermerk, wonach die Lage der Grabstelle nicht herausgegeben werden darf.
Edda Göring ist am 2. Juni 1938 als Tochter von Reichsmarschall Hermann Göring und seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Emmy Göring, geborene Sonnemann, auf die Welt gekommen. In Carinhall, dem nahe Berlin gelegenen Landsitz ihres Vaters, hat Edda Göring wohl die ersten Jahre ihrer Kindheit verbracht. „Ich hatte vor allem durch die Liebe und Fürsorge meiner Eltern eine sehr schöne frühe Kindheit“, sagte sie in einem Interview, das sie 1986 dem schwedischen Fernsehen gab. „Mein Vater liebte es, jedem Einzelnen einen Gabentisch herzurichten“, schwärmte sie vom Weihnachtsfest 1944.
Drei Jahre vorher hatte ihr Vater die Organisation der Endlösung der Judenfrage in Auftrag gegeben. Auf die Frage nach seiner Schuld verweist Edda auf den Treueeid, den ihr Vater Hitler geleistet hatte. „Ich bin überzeugt, dass mein Vater damals, als er sich Hitler anschloss, glaubte, das Beste für Deutschland zu tun.“ Trotz dieses „verhängnisvollen“ Treueschwurs und des „Unfasslichen, was den Juden geschehen ist“: Die Tochter wollte keinen Zweifel an der Integrität ihres Vaters aufkommen lassen. „Mein Vater war äußerst populär, auch im Ausland. Er besaß den entsprechenden Hintergrund, große Persönlichkeit und eine natürliche Herzlichkeit.“
Nach der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht wurde Göring gemeinsam mit ihren Eltern im US-amerikanischen Lager Camp Ashcan in Mondorf (Luxemburg) interniert. Hermann Göring wurde 1946 in den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt und entzog sich der Hinrichtung durch Suizid.
Ab 1948 ging Edda Göring in die dritte Klasse der Oberrealschule Sulzbach-Rosenberg. Sie lebte inzwischen mit ihrer Mutter in der Nähe von Hersbruck (Landkreis Nürnberger Land). Ende 1948 siedelte die damals Zehnjährige mit ihrer Mutter und deren Schwester nach Etzelwang über.
Edda Göring begann ein Jurastudium an der Münchner Universität, das sie nicht beendet haben soll. Später arbeitete sie als Arztsekretärin in München. 1986 sagte sie: „Jetzt erkennt man mich nicht mehr. Nach Kriegsende ist es mir aber passiert, dass ich angesprochen wurde – die Menschen waren ganz reizend.“ Sie habe immer wieder den Eindruck gewonnen, dass ihre Eltern „sehr beliebt“ gewesen sein müssen.