Straßenkampf vor dem Bayern-Spiel

von Redaktion

Vor dem Bundesligaspiel des FC Bayern gegen den VfL Wolfsburg haben sich am Samstag Hooligans in der Innenstadt einen Straßenkampf geliefert. 60 Beamte mussten anrücken und nahmen 16 Männer fest. Videos dokumentieren die Prügelei auf der Schillerstraße. Heute will sich der Innenminister zum Vorfall äußern.

VON ANDREAS THIEME

Der erste Tritt geht in den Bauch. Dann ein Schlag ins Gesicht. Als Nächstes stößt der vermummte Mann seinen Widersacher zu Boden. So beginnt die Massenschlägerei am späten Samstagvormittag auf der Schillerstraße im Bahnhofsviertel.

Es sind brutale Szenen, die auf mehreren Videos dokumentiert sind, die seither im Internet kursieren. Sie zeigen, wie gegen 13 Uhr etwa 30 Hooligans, die dem FC Bayern nahestehen, durch die Schillerstraße in Richtung Hauptbahnhof marschieren. Auf Höhe des Hotels Haberstock treffen sie auf eine Gruppe ebenso dunkel vermummter Männer, die ihren Aggressionen allesamt freien Lauf lassen. Rund 50 Sekunden lang prügeln sie aufeinander ein, ein dunkler Pulk auf offener Straße, und treten selbst dann noch zu, als die ersten Verletzten am Boden liegen.

Nach einer Minute dann das Signal zum Aufbruch. „Haut alle ab“, rufen die offensichtlichen Anführer der Hooligans. Die Gruppe löst sich in Windeseile auf. Denn längst haben Anwohner und Geschäftsleute die Polizei alarmiert, die mit 60 Beamten aus den nahe gelegenen Inspektionen am Hauptbahnhof und der Altstadt anrückt. „Letztlich konnten durch die Einsatzkräfte in Tatortumgebung 16 Teilnehmer gestellt und festgenommen werden“, sagt Polizeisprecherin Alessa Quintes am Sonntag. Im Einsatz seien auch Beamte des Spezialkommandos USK gewesen.

Anwohner und Geschäftsleute zeigen sich nach der Massenschlägerei schockiert. „So etwas habe ich hier noch nie erlebt“, sagt Gastronom Hüseyin Karakoc. „Das waren Gewalttäter. Zum Glück ist mein Lokal nicht zerstört worden.“ Erleichterung auch bei den Chefs des Hotel Haberstock: „Wir haben keine Schäden zu beklagen.“

Die festgenommenen Schläger seien ins Polizeipräsidium gebracht worden, der weitere Anmarsch zum Stadion sei dann störungsfrei verlaufen, sagt Alessa Quintes. Rund um die Allianz Arena kommt es später dann noch zu sechs weiteren Festnahmen, insgesamt sind am Samstag rund 200 Beamte im Einsatz. Das Bundesliga-Spiel, das nicht als Risiko-Begegnung eingestuft wurde, endet mit 6:0 für den FC Bayern. „Alle Verdächtigen wurden nach Spielende wieder entlassen“, sagt die Polizeisprecherin.

Offen bleibt, wie es zu der Massenschlägerei kommen konnte, zumal szenekundige Beamte die jeweiligen Fans der Vereine genau kennen. Von wem die Gewalt ausging, konnte die Münchner Polizei am Wochenende noch nicht sagen. Ebenso wenig, ob die Schlägerei gezielt geplant wurde. Die Voraufklärung ist laut Polizei „unklar“, sagt Alessa Quintes. Anzeige wurde bisher nur wegen Landfriedensbruch gestellt, nicht wegen Körperverletzung.

Eine Gruppierung mit dem Namen „GruppaOF“ stellte später die Videos ins Internet, wo man sie noch immer ansehen kann. Darauf zu sehen sind auch einzelne Szenen, wo Personen gestiefelt werden, also getreten, während sie schutzlos am Boden liegen. Die Polizei will die Videos nun gezielt auswerten.

Aus Fankreisen ist bekannt, dass es auch früher auf der Schillerstraße zu Hooligan-Schlägereien kam. Bei einer Pressekonferenz zum Thema BodyCam will sich heute auch Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu dem Vorfall äußern.

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