Wer aktuell in München einen neuen Führerschein beantragen möchte, braucht Geduld – und davon eine ganze Menge. Denn entweder müssen die Antragsteller bis mindestens Juli warten – oder sie entscheiden sich dafür, tagelang vor der Führerscheinstelle zu campieren. Utz Weber kann davon ein Liedchen singen: „Ich habe meinen Schein im Urlaub verloren und brauche für meinen Beruf dringend einen neuen“, klagt der 62-Jährige aus der Isarvorstadt.
Er verantwortet als freier Regisseur den Ablauf von Shows wie der Bambi-Verleihung. „Dafür muss ich mobil sein!“ Auf der Website des Kreisverwaltungsreferats (KVR) wollte Weber sich für einen Termin eintragen, doch: „Bis Ende Juni sind alle Termine vergeben und weiter geht der Kalender nicht.“ Am Freitag war er um 10 Uhr bei der Fahrerlaubnisbehörde in der Garmischer Straße. „Dort sagte man mir, wenn ich mich zwei Stunden vor Öffnung um 5 Uhr früh in die Schlange stelle, könnte mir an dem Tag vielleicht ein Termin zugeteilt werden“, berichtet Weber. Da ihm nichts anderes übrig bliebe, will er dies nun versuchen. „Zur Not campe ich!“ Als Nächstes würde er versuchen, einen Sondertermin zu bekommen. Je nach Kapazität werden täglich morgens noch einige zusätzliche Tagestermine bei der Führerscheinstelle freigeschaltet. Daneben können nachgewiesene dringende Notfälle unter der Telefonnummer 089/23 39 60 90 einen kurzfristigen Termin vereinbaren. Als Notfall gilt zum Beispiel der drohende Verlust der Arbeitsstelle oder eine plötzliche Geschäftsreise.
So wie Weber geht es momentan vielen Münchnern. Der Grund: Das KVR leidet nach wie vor an Personalmangel. „Am Allgemeinschalter sind derzeit neun Stellen von 28 Stellen nicht besetzt. Am 1. Februar waren es sieben Stellen“, gibt KVR-Sprecher Alexander Stumpf an. Das KVR arbeite mit Hochdruck daran, die freien Stellen zu besetzen. Kurzfristig würden Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Fahrerlaubnisbehörde und Auszubildende einspringen, so Stumpf. Jobs im KVR sind deshalb schwer zu besetzen, weil es innerhalb der Stadtverwaltung einen Kampf um Talente gibt. Das hatte Ex-KVR-Chef Wilfried Blume-Beyerle schon 2016 beklagt. Das KVR zieht bei diesem Ringen oft den Kürzeren. Für Mitarbeiter sind andere Referate attraktiver, etwa weil bei ihnen – anders als in der Führerscheinstelle – Gleitzeit möglich ist. Immerhin: „Für fünf Stellen konnten neue Kollegen gewonnen werden, die demnächst ihren Dienst antreten“, sagt Stumpf. LAURA FELBINGER